Vaskuläre Demenz Ehemann 76 J. alt
Guten Abend liebe Betroffene,
Heute möchte ich allen Damen und Herren einmal sagen, wie sehr mich Ihre Beiträge getröstet haben, ich fühle mich nicht mehr so hilflos und allein. Ich bin 80 J. alt und betreue meinen 76jährigen Ehemann seit 2 Jahren (vaskuläre Demenz, inkontinent, Diabetik 2. Ich kann ihn nicht ins Heim geben, für mich seelisch nicht tragbar. Jeder Tag wird schlimmer... Wir sind 36 J. verheiratet und er war immer gut und liebevoll zu mir. Aber jetzt wird vieles unerträglich: 2 x täglich Arsch säubern, immer Kampf darum, er will sich nicht baden lassen und kommt nicht in die Wanne. Er kann nicht mehr laufen - nur am Homerollator, ständig Stürze und KHS-Aufenthalte. In eine Tagesbetreuung will er nicht. Neuerdings blubbert er vor sich hin und beschimpft mich unerträglich, dann wieder zärtliche Worte. Körperliche Nähe/Umarmungen hat er vergessen, droht mit seinem Tod. Essen will er nur Eier, wenn überhaupt. Er ist 1,86 m gross und sollte Mittelmeerküche essen und ausgewogene Kost. Schreit aber täglich nach Korn und wird bösartig, wenn ich das verweigere. Ärztin kann nicht helfen, niemand. Habe keine Kinder und keine Verwandten, fühle mich mit allem ganz allein in unserer Großstadt, sämtliche Beziehungen sind zerbrochen und mein eigenes Leben ist ziemlich vorbei. Ich kann und will nicht mehr leben in dieser schrecklichen Situation, habe gerade Brustkrebs nach Amputation überlebt im 3. Jahr Nachsorge. DANKE, dass ich das mal mit Ihnen teilen darf. Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Advent und viel Kraft mit der Hilfe aller möglichen Engel. Und Licht im Innern und Aussen an jedem schweren Tag!
Kommentare
Liebe Winterfee, du wirst hier viele Gleichgesinnte treffen. Ich musste lächeln, als ich deinen Text gelesen habe. Ich kenne das alles zu gut. Der schimpfende Ehemann bekommt von mir inzwischen ein Lächeln. Die ausgewogene Ernährung habe ich sein gelassen, mein Mann bekommt das, was er ißt. Er lässt es doch sowieso stehen, wenn es nicht schmeckt. Am Anfang hat mein Mann noch täglich sein Bier zum Abendbrot getrunken. Er ist auch mit einem Sixpack und seinem Krug in die Kurzzeitpflege eingezogen. Je mehr die Demenz fortgeschritten ist, um so mehr hat er den Alkohol vergessen. Das mit der Tagespflege kenne ich auch. Ich habe es woanders schon geschrieben. Am Anfang stand "ein bockiges Kind" vor mir und letztendlich war er an 5 Wochentagen dort. Baden habe ich irgendwann sein gelassen. Mein Mann ist nicht mehr aus der Wanne gkommen (1,83 und knappe 90 kg) - ich musste die Feuerwehr holen, die hilft hier bei so etwas. Dann wurde nur noch geduscht. Aber du hast recht - am Anfang war das Schlimmste, dass dieser Mensch so einfach aus unserer Beziehung raus geht, ohne Abschied. Es hat weh getan, am 40. Hochzeitstag mit einem Menschen zusammen zu sein, der das Konstrukt Ehe gar nicht mehr versteht. Hast du denn einen ambulanten Dienst, der hilft oder nutzt du den Entlastungsbetrag? Vielleicht gibt es ja auch eine Selbsthilfegruppe?
Liebe Gerhild,
Danke für die lieben Worte! Ja, Pflegedienst und Entlastungsbetrag nutze ich, der bringt aber nur die Medikamente. Das Schlimme ist, mein Mann will nichts mehr essen. Er droht auch ständig mit seinem baldigen Sterben, was mich völlig verzweifeln lässt. Dabei sind alle seine Blutwerte im grünen Bereich - auch die Diabetik ist gut im Griff. Unterhaltungen werden immer weniger. Lt. Ärzten soll er eine Mischung zwischen vask. Demenz/Alzheimer oder Korsakoff haben, nichts steht fest. Jetzt in der dunklen Jahreszeit ist alles noch unerträglicher, keine Freude und kein Lichtblick....
Dir wünsche ich einen entspannten Advent und Danke für Dein Mitgefühl.
Liebe Winterfee,
ich kann dich sehr gut verstehen,mir geht es genauso.Wir sind 52 Jahre verheiratet mein Mann ist jetzt jeden Tag ein Stück weiter weg von unserem Leben.Es ist ein Abschied auf Raten.Er zeigt an nichts mehr Interesse,sitzt den ganzen Tag in seinem Sessel,döst vor sich hin,ist nur schweigsam,gibt nur knappe Antworten.Er hat vaskuläre Demenz,kann kaum noch laufen,Treppen gehen gar nicht mehr,er kann nicht mehr raus gehen.Zum Arzt wird er von einem Fahrdienst im Tragestuhl gebracht.Ich selbst bin dadurch auch nur an die Wohnung gebunden,gehe nur schnell einkaufen.Habe ihm einen Hausnotruf besorgt,das beruhigt mich aber auch nur bedingt.Unser Zuhause ist wie ein Gefängnis für mich.Die Kinder wohnen außerhalb und ich kann sie auch nicht damit belasten,obwohl sie ihre Hilfe anbieten wenn was ist.Jetzt geht er immer schon sehr früh ins Bett,und wird zunehmend appetitlos.Mein Mann ist 75,ich 74 und es fällt mir auch nicht immer leicht,seine komplette Körperpflege zu übernehmen,das ist anstrengend aber er wäre verloren ohne meine Unterstützung. Ich muss sein Leben komplett managen von A-Z,mein eigenes Leben ist weg.Es ist so hilfreich,hier mal alles rauszulassen und zu wissen,es wird von anderen Menschen,die das Gleiche erleben,verstanden.Danke,für die Lesezeit und liebe Grüße 😍
Ihr Lieben, manchmal fluche ich, weil ich arbeiten gehen "muss". Mein Mann hat eine kleine Rente. Und würde mein Einkommen wegfallen, wäre es finanziell enger. Das Pflegegeld gebe ich für den Pflegedienst aus. Aber je mehr ich hier lese, ist mein Job vielleicht auch ein Stück Freiheit (noch), da ich ihn auch gern mache.
Aber ich habe mir angewöhnt unsere Kinder in die Situation immer mehr einzubeziehen. Keines wohnt in unserer Nähe (Mindestentfernung 300 km). Sie sind aber alle zwischen 35 und 40. Und damit lasse ich sie selbst entscheiden, wann sie hier sein wollen/können und wie sie helfen können. Für mich gehört Krankheit zum Leben dazu und ich will die Kinder davon nicht fernhalten. Sie wachsen da rein, genauso wie ich. Und ja, ich fluche auch, weil ich so wenig raus kann.
Schwieriger ist für mich meine komplett fitte über 80-jährige Mutter, die keine Ahnung von Erkrankung hat. G.
Liebe Winterfee
Ich kann Dich sehr gut verstehen,mir geht es ähnlich.Mein Mann75 ist kaum noch gehfähig,auch nur am Rollator in der Wohnung,nach draußen kann er wegen der Treppen auch schon lange nicht mehr.Seit ca.3 Wochen hat er keinen Appetit mehr,ißt kaum noch etwas,trinken geht.Mache auch die komplette Körperpflege samt Inkontinenz.Er sitzt nur noch teilnahmslos in seinem Relaxsessel und schläft ständig ein,will um 16:00 Uhr schon ins Bett und schläft dann bis zu 17 Stunden.Er hat an nichts mehr Interesse was unser gemeinsames Leben angeht,wir sind jetzt fast 53 Jahre verheiratet,Es tut mir in der Seele weh,wie es ihm geht und ich bin in seelischem Dauerstress und Trauer,vielleicht auch Selbstmitleid.Kann die Wohnung nur noch für das Nötigste verlassen.Er hat einen Hausnotruf,falls was ist wenn ich gerade mal nicht da bin,das beruhigt mich aber auch nur wenig.Du siehst,Du bist nicht alleine und dieser Austausch hier,ist schon eine Hilfe.
Liebe Grüße
ich bin sehr gut in der Lage die Körperpflege meines Mannes allein zu übernehmen. Trotzdem hole ich mir an 5 Wochentagen den Pflegedienst dazu. Das nimmt etwas Stress raus, weil ich dann für die Regulierung der Pflegeabwehr eine zweite Person habe. Habt ihr denn schon mal versucht einen Betreuungsdienst zu finden? Dazu ist der Entlastungsbetrag da, der ja sonst verfällt? Mir hat das sehr geholfen. Außerdem habe ich das Urlaubsangbot für Demenzkranke und Angehörige genutzt. Das war ein sehr gutes Erlebnis.
Ich denke auch, dass der Austausch hier sehr hilfreich sein kann, wenn auch nicht unbedingt im praktischen Umgang mit Behörden, Pflegekasse, Medizinischem Dienst usw. Aber tröstlich ist auf jeden Fall, dass auch andere die negativen Seiten der Demenz ähnlich sehen und empfinden und trotzdem ihren Lebensmut nicht sinken lassen. Die Probleme mit Ernährung, Körperpflege usw. sind ja meist in irgendeiner Form zu bewältigen. Wir funktionieren ja irgendwie alle noch recht gut, wenn es darauf ankommt. Schwerer wiegen mir die Aussichten auf unser aller eigenes Leben, wenn der ganze Stress einmal vorbei sein wird. Wie S_74 schriebt: Ich muss sein Leben komplett managen von A-Z, mein eigenes Leben ist weg. So wie Winterfee fühle auch ich mich mit allem ganz allein. Vor zehn Jahren ist meine erste Frau an einem aggressiven Brustkrebs gestorben, und auch da musste ich die Erfahrung machen, dass sämtliche gewachsene Beziehungen zerbrochen sind und mein eigenes, bis dahin gelebtes Leben so ziemlich vorbei war. Damals konnte ich mich auf meine Töchter und Enkel verlassen, wir haben viel zusammen unternommen und ich konnte so nach und nach wieder ins Leben - in mein neues Leben - zurückfinden. Ich finde Gerhild hat das ebenfalls ganz gut hingekriegt. Aber jetzt sind zehn Jahre vergangen, die Enkel gehen mehr und mehr eigene Wege und die Zeitspanne, mit dem eigenen Leben klar zu kommen, wird nicht länger.