Neue Diagnose!!!

Hallo,

Ich wende mich ganz neu an dieses Forum, da meine Mutter gerade sehr frisch die Diagnose Alzheimr Demenz bekommen hat. Ich bin selbst Krankenschwester und weiss um die wichtigsten Fakten der Krankheit. Wir sind alle geschockt und haben das Gefühl seit die Diagnose steht und meine Mutter Tabletten zum verlangsamen des Prozesses nimmt , ist alles noch schlimmer geworden. Meine Mutter weint viel, weil es für sie extrem schlimm ist sich nicht mehr trauen zu können und alles zu vergessen. Mein Vater kontrolliert, verzweifelt, versteht nicht,macht Druck und leidet ganz entsetzlich. Gibt es ein paar hilfreiche Tips für den Beginn? Hilfen für die Angehörigen? Was können wir tun? Was kann mein Vater tun?

Danke und Grüße,

Isabel

Kommentare

  • Hallo Isabel

    Ich kann die Sorgen und Ängste verstehen, die die Diagnose Demenz mit sich bringt. Meine Erkenntnis soll nicht oberlehrerhaft sein, sondern Anstoß für eine Weiterentwicklung sein.


    Im Frühjahr 2019 stellte ich bei meiner Frau eine Wesensveränderung fest. Ärzte und Therapeuten konnten uns nicht helfen. Auch bei Kleinigkeiten gab es Stress/Streit. Unsere Ehe war auf Harmonie aufgebaut, ich verstand die Welt nicht mehr. Einem Bekannten und ehemaligen Arbeitskollegen teilte ich auch meine Problematik mit. Er sagte dann zu mir, es ist Demenz, so fing es bei meiner Frau auch an. Ich kannte das Ende und wollte es nicht wahrhaben. Nach kurzer Zeit erkannte ich, dass alle Verhaltenshinweise zu Demenz nicht halten. Ihr unlogisches Denken und Tun, ich nannte es toxisches Verhalten (tV), wurde immer ausgeprägter.

    Meine Intention sagte zu mir: du siehst es bei anderen, wie es endet - Pflegeheim und Tod -, gehe andere Wege. Welche? Wenn dieser Weg so endet, gehe in die andere Richtung.

    Begleite sie, bringe Verständnis auf, liebe sie, wie es der Apostel Paulus in einem Brief geschrieben hat. Es war ein Umdenken, das über meine Kräfte ging. Die Herausforderung war, ich konnte meine Sorgen und Ängste mit niemandem teilen. Gegenüber Verwandten und Dritten reagierte sie „normal“.

    Nach jedem tV überlegte ich, als ich wieder heruntergefahren war, was ich besser machen konnte, außer zu schweigen. Jede Situation war anders und so war ich lange Zeit am suchen. Als ich es dann einmal abfedern konnte, freute ich mich und war selbstsicher. Leiter musste ich beim nächsten tV feststellen, dass ich noch lange nicht am Ziel war. Kraft bekam ich von meinen Nachkommen, auf die ich stolz bin. Sie konnten für diese Veränderung nichts, sie sollten deshalb nicht leiten und unterstützte sie beim Umgang mit ihr. Es kam noch die Sorge hinzu, dass sie ihren Zustand erfahren könnten. Dann wäre die Unbeschwertheit nicht mehr vorhanden gewesen. Die Anstrengung von mir, sie aus diesem Tal zu führen, wäre umsonst gewesen. Es war von Vorteil, dass sie mit ihren Familien sehr weit voneinander entfernt wohnten. So war es für meine Frau immer eine besondere Herausforderung, sie zu bemuttern. Ich hielt mich bei ihren Ideen zurück, unterstützte sie aber bei den Durchführungen und versuchte, Harmonie aufrechtzuerhalten. Als die Kinder wieder weg waren, war sie erholungsbedürftig, aber überglücklich, alles gut gemanagt zu haben.

    So gab es viele Situationen, die ich bewertete. Wenn etwas schief lief, versuchte ich das beim nächsten Mal zu „umgehen“. So baute meine Frau wieder Vertrauen zu mir auf. Die tV wurden weniger und so kam es, dass sie von einem Vorfall, der Jahrzehnte zurücklag, berichtete. Ich hörte ihr ohne Nachfragen zu. Für mich war es ein Alltagsvorfall, für sie eine seelische Verletzung. Mir wurde sofort bewusst, dass ich weder meine noch ihre Sichtweise bewerten sollte. Das Suchen nach den richtigen Worten gab ihr das Gefühl, dass ich es mir nicht leicht machte, eine Beurteilung abzugeben. Sie war danach innerlich befreit, wie wenn eine Last aus ihrer Seele zu Boden fiel.Im Nachhinein wurde mir bewusst, dass dies eine von mehreren seelischen Verletzungen war, die die beginnende Demenz ausgelöst hatte.

    Ich bin mir deshalb so sicher mit meiner Therapie, weil ich seit 3 Jahren mit meiner Frau in Harmonie zusammenlebt. Es schmerzt mich, wenn ich das Leid der Betroffenen mit ihren Angehörigen sehe und beim Tod die Erlösung nicht greift, dann…..

    Für mich steht fest, dass eine Demenz durch eine seelische Verletzung nach Jahrzehnten sichtbar wird. Verhindern ist sie nur durch menschliches Verständnis gegenüber dem Betroffenen. Wenn dies nicht erfolgt und der Kipppunkt zur physischen Ebene überschritten ist, dann tritt erst das Tabu in Kraft: Demenz ist nicht heilbar.  

    Ottohorst

  • Alzheimer Demenz ist nicht heilbar. Ich bin religiös, aber in diesem Forum mit Glaubenszitaten zu motivieren - ich weiß nicht, ob das hilft. Mir hilft der Glaube, bei Anderen ist es Begleitung, Verständnis oder Liebe - dafür brauche ich keinen Paulus. Mein Mann zeigt herausforderndes Verhalten, dies würde ich nie als toxisch bezeichnen. Es hieße ja, das die Verhaltensweisen des Einen für den Anderen Gift sind. Demente können das nicht steuern. Ja, die Situation belastet mich, schränkt mich ein, macht mich ohnmächtig - aber es ist Leben - und es endet immer mit dem Tod. Krankheit, Sterben und Tod gehören zum Leben.

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