Verhaltensveränderg

Demenz fängt mit unscheinbaren Veränderungen im Alltag an, die nicht als solche wahr genommen werden. Wenn diese aber Ernst genommen werden, fühlt sich die betroffene Person angenommen. Damit setzt ein Umdenkungsprozess ein.

Die im Gehirn mit Eiweißablagerungen belegten Bereichen, die dadurch nicht mehr vollständig arbeiten können, können die bisherigen Leistungen nicht mehr bringen.

Wenn der Betroffenen Zeit gegeben 8, können andere Bereiche im Gehirn aktiviert werden.

Also am Anfang Zeit und Geduld gegenüber der Person aufbringen.

Ottohorst

Kommentare

  • Hallo Ottohorst,

    danke für deinen Beitrag, für mich ist er sehr hilfreich.

    Ich gebe zu, als ich ihn das erste mal gelesen hatte, war ich nicht so angetan davon. Mir stellte sich die Frage, wie soll das gehen, Zeit und Geduld aufzubringen wenn der Partner einem langsam abhanden kommt. Mir kamen deine Worte vor wie reine Theorie, die Praxis sah für mich anfangs anders aus. Da waren Gefühle mit im Spiel, das Vertraute ging verloren, ich war lange Zeit versucht, meinen Partner in unserem gemeinsamen Leben zu halten. Ich war oft ungehalten und ungeduldig ob seines unlogischen und sehr oft herausfordernden Verhaltens. Es war beängstigend für mich meinen Partner so zu sehen, ich fühlte mich hilflos wie ein Kind. In solch einer Situation Geduld aufzubringen war für mich schwierig, weil ich auch mit mir selbst klarkommen musste. Mehr und mehr kam ich mir vor wie in einem schlechten Traum, aus dem ich nicht mehr herausfinden konnte.

    Mir hift dein Artikel weiter, ich schaue nun nicht mehr darauf was bei meinem Partner nicht mehr geht und versuche es zu ändern, sondern ich sehe mehr darüber hinweg und versuche mich darüber zu freuen, was noch geht. Auch wenn es oftmals unlogisch ist und nicht so recht zu der Situation passt, ich denke mal für meinen Partner ist sein Verhalten richtig und passend. Und auch wenn manchmal das Gefühl bei mir aufkommt, ich bin gefangen in einer Situation, die oft beängstigend ist, ich bin nicht diejenige die gefangen ist, das betrifft meinen Partner. Er ist derjenige, der definitiv nicht mehr heraus aus der Situation kann, er muss es hinnehmen und ich hoffe, ich kann immer genug Geduld aufbringen und ihm unterstützend beiseite stehen.

    LG Manou

  • Hallo liebe Manou,

    ich bin auch erst seit kurzem hier in dem Forum und habe bisher mit anderen zu einem anderen Beitrag geschrieben. Wir sind ähnlich alt - wie ich in deinen Beiträgen bisher lesen konnte. Auch mein Mann hat Demenz - vaskuläre Demenz - und die Diagnose sollen wir sogar schon seit 2018 haben - nur haben wir das damals nicht verstanden und kapiert - weil man uns nur Fachbegriffe um die Ohren gehauen hat und das Kind nicht beim Namen genannt hat - danach kam unsere Verdrängungphase - nach einem Schlaganfall hatte mein Mann (8 Jahre älter als ich) sich wieder ganz gut erholt und alles war soweit scheinbar in Ordnung. Den schleichenden Prozess habe ich irgendwie nicht so richtig mitbekommen ... erst seit ca. 1 Jahr merke ich deutlich, dass da etwas nicht stimmt. Mein Mann ist nicht mehr der, der er einmal war ... er wird mir immer fremder. Mittlerweile haben wir einen neuen Hausarzt, der jetzt auch mal endlich Klartext geredet hat.

    Jetzt stellen sich bei mir Zukunftsängste, unendliche Traurigkeit sowie auch extreme Überlastungsgefühle ein ... wie sie hier sicher jeder kennt.

    Vielleicht hast du ja Interesse an einem Austausch. Mich würde interesssieren, wie mittlerweile der Stand bei euch ist. Ich glaube gelesen zu haben, dass bei deinem Mann bisher auch noch keine klare Diagnose gestellt wurde - ist das richtig?

    LG Mali311

  • Guten Morgen liebe Mali311,

    du bist doch einiges jünger als ich, die 54 in meinem Nutzernamen steht für mein Geburtsjahr, ich bin 69 Jahre alt und in 8 Wochen werde ich 70.

    Ich habe deine Berichte gelesen und ich kann deine Gefühle und Ängste gut nachvollziehen, das habe ich alles auch so durchlitten.

    Bei uns war es im Frühjahr 2015 als sich erste Symptome bemerkbar machten und mein Mann das erste mal die Kontrolle über sein Verhalten verlor, da waren wir 29 Jahre verheiratet. Die Ausfälle häuften sich nach und nach und mein Mann zog sich zeitgleich immer mehr in sich selbst zurück. Nach einigen Jahren merkte ich im Rückblick, dass mir jedes Jahr ca. 10% von meinem Mann verloren gehen. Ich habe versucht mich dagegen zu stemmen, ihn in unserem gemeinsamen Leben zu halten, aber es war vergeblich. Er driftete immer mehr ab in ein anderes Level und ich merke zunehmend, ich bekomme ihn nicht mehr zurück.

    Die letzte Verdachtsdiagnose war eine bipolare Erkrankung, mein Mann bekommt ein Medikament, dass seine Stimmungsschwankungen bessern soll, das zeigt jetzt auch so langsam Wirkung. Aber ich habe trotzdem keinen Partner mehr und fühle mich alleine gelassen. Ich lasse meinen Mann in Ruhe in seiner Welt, wir können alles das machen, was wir früher auch gemacht haben. Lange Spaziergänge, Fahrradtouren, nur nimmt mein Mann keinen Anteil mehr daran, er läuft einfach unbeteiligt so mit, die Planung liegt sowieso bei mir.

    Wir sind standorttreu, gerne zuhause und waren nur selten im Urlaub, wir vermissen das auch nicht. Auch haben wir keine realen sozialen Kontakte bis auf die Gespäche über den Gartenzaun mit den Nachbarn. Wir haben schon immer sehr zurückhaltend gelebt, so dass die Beeinträchtigungen meines Mannes nicht so sehr ins Gewicht fallen. Nur sein Sozialverhalten ist dahin geschmolzen, das Vorstellungsvermögen ist weg, er hat keine Schuldgefühle, redet oft Blödsinn daher und neulich in der Stadt hat er plötzlich angefangen im Gespräch zwei Bekannte anzublubbern. Einer ist geich weggegangen, ich konnte dann gerade noch klärend eingreifen und die Situation etwas entspannen. Aber da wo mein Mann ist, da ist Streß vorprogrammiert. Er checkt vieles nicht mehr.

    Aber so wie ich das auch schon geschrieben habe, es ist hart und traurig für mich, aber er steckt in dieser Zwangsjacke drin, die ihn so sein läßt, nicht ich. Ich bin immer noch besser dran. Das versuche ich mir klarzmachen, wenn er mal wieder aus dem Ruder läuft, dann zieht mich sein Verhalten nicht so runter.

    Ich denke mal, ich habe meinen Umgang damit gefunden, besser wird es nicht, ich nicke alles ab was er sagt, versuche einen freundlichen Ton beizubehalten und vor allem mir meine positive Lebenseinstellung zu erhalten.

    LG Manou

  • bearbeitet August 2024

    Hallo Manou und Mali, dass was Ottohorst hier beschreibt ist grundsätzlich richtig.Wir müssen Denkweisen verändern. Und ja, Gehirnverbindungenlassen sich neu verknüpfen und Demente können lernen. Aber, Demenz ist nicht heilbar. Mir hat geholfen, die Methoden von Naomi feil zu kennen= Validation= anzuerkennen was ist. Und mir hat eine Geschichet geholfen. Da gibt es einen Affen und einen Fisch. Der Affe denkt, der Fisch ertrinkt und holt ihn auf den Baum.

    Der Affe und der Fisch 3, E. Feurstein (www.litres.ru)

    Dementierende Menschen sind wie die Fische in der kleinen Erzählung – sie leben in einer anderen Wirklichkeit. Sie wollen und können nicht in unsere Realität gerettet werden, weil sie aufgrund ihres verloren gegangenen Denkvermögens an den Überreizungen der Gesellschaft ersticken würden.

    Wenn der Affe dem Fisch etwas Gutes tun will, sollte er zu ihm ins Wasser eintauchen, eine Zeit lang mit ihm verbringen und früh genug das Wasser wieder verlassen, wenn er spürt, dass ihm die Luft ausgeht. Er kann sich dann ans Ufer setzen und die Beine ins Wasser halten, damit sich der Fisch mit den Wellen, die seine Zehen schlagen, vergnügen kann. Will oder muss der Affe aber längere Zeit im Wasser bleiben, sollte er sich einen Schwimmreifen oder ein Schlauchboot zulegen, um sich länger in der Nähe des Fisches aufhalten zu können.

  • Guten Morgen Gerhild,

    die Geschichte mit dem Affen und den Fisch finde ich gut, so sollte es meiner Meinung nach sein. Auf den oder die Beeinträchtigten zugehen und sich auch mal auf seine bzw. ihre Ebene begeben. Wenn ich mich jetzt sinnbildlich in das Wasser meines Mannes begebe, bekomme ich gleich eine kalte Dusche verpaßt und mein Mann schmeißt mich aus seinem Wasser raus, da kann ich nicht mal nur die Zehen reinhalten. Wie oft habe ich das schon versucht und bin immer wieder abgewiesen worden. Mein Mann ist in einem anderen Level und dort möchte er einfach nicht gestört werden, da läßt er niemanden mit rein, hat aber gleichzeitig Angst, dass ich weggehe. Ich muss immer in Sicht- Ruf- und Hörweite bleiben.

    Abfuhren habe ich mir genug geholt, auch böse Blicke und Worte, wenn ich wieder mal versucht habe meinen Mann zurück in ein normales Leben zu holen, so wie wir das lange Jahre gelebt haben. Wenn mein Mann jetzt für sich sein möchte und dabei zufrieden ist, dann lasse ich ihn. Manchmal kommt er ein bisschen aus seiner Isolation raus, dann können wir etwas zusammen machen. Es gibt feste Einkaufstage, andere Aktivitäten kündige ich rechtzeitig an.

    Ich hatte ja schon geschrieben, ich verliere immer mehr von meinem Mann, mit jedem Jahr entfernt er sich ein Stückchen weiter. Irgendwann wird er nicht mehr herauskommen aus der Isolation, aber daran mag ich jetzt noch nicht denken.


    Danke an das Forum, danke euch allen hier. Ich bin weitergekommen seitdem ich hier angefangen habe zu schreiben, bin wieder etwas sortierter, auch tut das Gefühl gut, mit allem nicht alleine zu sein, Rat holen zu können. Ich nehme hier viel hilfreiches mit.

    LG Manou

  • Genauso erlebe ich es auch. Immer bösartige Abfuhr, wenn ich nicht in seine Welt passe. Wenn mir dann kein gefühlvoller Abstand gelingt, wird er aggressiv. Mein eigenes Leben, meine Gefühle, Freude zählt nicht mehr. Irgendwie lädt keiner die Batterie auf, die jedoch geladen sein sollte im Leben mit einem Partner mit FTD.

  • Hallo Pollinchen, ich kenne die Aggressivität , auch wenn es bei uns Alzheimer und nicht FTD ist. Ich kann nur für mich selbst sorgen, um mich aufzuladen. Mir hilft das Lesen im Forum, die Selbsthilfegruppe und noch kann ich einen Vollzeitjob ausüben, um mich abzulenken. Ich habe erwachsene Kinder, aber die sind mit der Situation überfordert, Freunde ebenso. Was außerdem gerade hilft ist die Abwesenheit meines Partners in der Tagespflege. Aber ich bin auch oft, sehr oft am Rand der Verzweiflung.

  • Hallo Manou

    Mit einem derart offenen Kommentar hatte ich nicht gerechnet. Du beschreibst genau meine Gefühle, die ich vor 5 Jahren hatte. Ich war hilflos und stand mit beiden Füßen auf der Türschwelle zwischen Leben und Tod. Was die Situation noch schlimmer machte war, dass sich niemand, weder Arzt noch Therapeut fand, der mich verstand. Meine Intuition, die mir so oft geholfen hat, half mir Wege zu finden, meine Frau zu verstehen. Dies erforderte sehr viel Kraft, die ich durch meinen Glauben und im Zen fand.

    Kleine Schritte, manchmal ein Hauch davon, die ich bei meiner Frau feststellte gaben mir die Kraft, diesen Weg weiter zu gehen. Tag und Nacht überlegte ich wie konnte sowas mir widerfahren. Jede Kleinigkeit die früher normal war, wurde ein Problem zwischen uns.

    Immer wieder fragte ich mich was habe ich verkehrt gemacht und was kann ich in der Gegenwart besser machen. Mit der Zeit wurde mir immer klarer, sie kann nichts für ihr Verhalten. Ich mußte ihr Vertrauen wieder bekommen. Wenn man seinen Partner 50 Jahre lang geliebt hat und dann liegt alles in Scherben, es war zum Verzweifeln. Bei den Kinder und Enkelkinder war ihr Verhalten fast normal. So konnte ich mit ihnen nicht über ihr Verhalten sprechen !

    Nach 2 - 3 Jahren wurde es besser und ich erfuhr durch meine gefühlvolle Haltung ihr gegenüber den Verlauf einer Demenz.

    "In jungen Jahren durch eine seelische Verletzung, die nicht aufgearbeitet wurde, führt oft im Gehirn zu einer Blockade. Meist kommen noch andere hinzu. Nach Jahrzehnten, wenn sich dort Eiweißablagerungen bilden, macht den Wissensbereich unbrauchbar. Dies merkt zuerst der Partner. Er muß Geduld und Zeit aufbringen, damit der Betroffene wie ein kleines Kind die normalen Dinge wieder lernt. Dieses Lernen muß der Betroffene selbst durchführen. Mit Vorsagen, Hinweise oder gar Belehrungen erreicht man das Gegenteil. Das Gehirn hat unbenutzte Bereiche, die von ihm gefunden werden müssen und das braucht Zeit, Stunden, Tage und oft keine Rückmeldung. Die Begleitung ohne Worte, einfach da sein ist die beste Therapie.

    Meine Erkenntnisse sind so umfangreich geworden, dass ich sie hier nicht mitteilen kann. Beim richtigen Verhalten kommt die Demenz zu Stillstand. Seit über einem Jahr lebe ich wieder in Harmonie mit meiner Frau und außerdem ist sie nicht nur leistungsfähig sondern auch wieder kritisch geworden.

    LG Otto

    Ein philosophischer Hinweis zur Demenz:

    Als sich beim Homo Sapiens Verstand entwickelte, folgte dies dem Streben nach Macht. Es entstand eine Hierarchie, die unantastbar wurde. Religion war nicht hilfreich, da sie von Menschen geprägt wurde. Mit der Aufklärung kam Bewegung ins System. Beziehungen veränderten sich, aber die Schuldgefühle und seelische Verletzungen nahmen zu. Diese führten im Gehirn zu Blockaden, weil sie nicht aufgearbeitet wurden. Nach Jahrzehnten wurden diese Bereiche im Gehirn abgebaut (ein natürlicher Prozess der Evolution). So zeigte sich die Demenz zuerst dem Partner bei den zwischenmenschlichen Beziehungen. Wird die „richtige“ Begleitung angewandt, die Würde des Betroffenen gewahrt, beginnt die Suche im Gehirn nach freien Neutronen. Das neu erlangte Wissen kann dort gespeichert werden, die betroffene Person bleibt leistungsfähig bis zum Tod (Nonnenstudie).

    Demenz ist eine von Menschen gemachte Krankheit, die durch Ketten von Fehlentwicklungen des Zusammenlebens entstanden ist.

    Ich als Imker habe die Emergenz in vielfältiger Form bei meinen Bienenvölker erfahren können. Im Gehirn mit einem Netzwerk von Milliarden von Neutronen kann sie sich entfalten.


    OttoHorst

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