Ein Patient hat Alzheimer-Demenz und Diabetes (Alterszucker)
Er ist schon 93. Bei gesunder Ernährung sind die Blutwerte so gut, dass kein Insulin gespritzt werden muss. Er ist allerdings appetitlos und nimmt ständig ab. Patient möchte aber am liebsten den ganzen Tag Süßes Essen.
Sollte man ihn lassen und weiterhin Spritzen oder ihm die kleinen süßen Freuden verwehren?
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Kommentare
Ich lasse meinem Mann weitesgehend, das was er liebt. In der Tagespflege gibt es sowieso jeden Tag Kuchen. Der Arzt hat einfach das Insulin angepasst. Ich würde das Süße weitesgehend lassen, zumal wenn Gewichtsverlust droht. Was ich nicht ganz verstehe, wenn Insulin weggelassen werden kann, weil die Blutwerte normal sind, warum kann es dann nicht Tabletten geben. Anscheinend liegt doch Diabetes Typ 2 vor.
Auch wenn das Thema " Alzheimer mit Diabetes" schon vor längerer Zeit hier diskutiert wurde, so erlebe ich die ganze Auswirkung als Angehörige/Ehefrau tagtäglich immer wieder mit großer Herausforderung.
Mein Mann 68 J. Alzheimer erkrankt, ist langjähriger, bislang nur auf Tabletten Metformin eingestellter Diabetiker Typ 2. Sein Langzeitzuckerwert HbA1c verschlechtert sich zunehmend gravierend, aktuell Ü 8,0 da er krankheitsbedingt kaum ein Sättigungsgefühl besitzt und pausenlos Lebensmittel sämtlicher Arten, vor allem Süßigkeiten sucht und isst.
Meistens kaufe ich keine Süßigkeiten, um ihn nicht in Versuchung zu bringen. Dann läuft er zum nahegelegenen Getränkeshop, den Weg findet er noch, versorgt sich dort damit. Generell zeigt sich seine " Eßsucht" zunehmend als Problem, weil er diese aufgrund seiner Erkrankung nicht mehr unter Kontrolle halten kann z.B. 8 Scheiben Brot zum Frühstück oder die gleiche Menge Brötchen werden ohne Probleme vertilgt oder er vergisst, dass er kurz zuvor schon eine Mahlzeit eingenommen hat.
Die täglich von mir struktuierten Mahlzeiten führen hier mittlerweile zu Stresssituationen, wenn ich aus lauter Sorge seine Portionen einteilen möchte, Erklärungen oder Appelierungen an die Vernunft bzw. Krankheitseinsicht fruchten schon lange nicht mehr. Er kann komplexere Inhalte nicht mehr nachvollziehen, fühlt sich in seinem Autonomiegefühl und in seiner Selbstbestimmung bevormundet und gegängelt.
Unsere Hausärztin appeliert bei jedem Diabetes Check an seine Vernunft, sich von mir begleiten zu lassen, obwohl ich darauf hinweise, dass das vergebene Liebesmühe ist. Wie in so vielen Bereichen möchte er kaum Unterstützung annehmen, auch keine Fremdhilfe.
Mittlerweile habe ich "losgelassen", weil mich der tägliche Kampf ermüdet. Ich lass ihn essen, soviel er mag und was ihm beliebt, kontrolliere nicht mehr. Dabei nimmt mein Mann gewichtsmäßig, trotz der hohen Kalorienzufuhr nichts zu, bleibt zum Glück gertenschlank, verliert teilweise eher noch an Gewicht, obwohl er sich nicht viel bewegt.
Verstecken von Lebensmitteln, was aufgrund der Haltbarkeit nur bedingt möglich ist, bringt nicht viel, weil dann die Sucherei wieder losgeht. Wir wohnen in einem offenen Eigenheim, wo Küche oder andere Räume aufgrund des Baustils nicht abgeschlossen werden können. Der Kühlschrank, der Brotkorb ist 24/7 für ihn zugänglich. Auf Vorrat kaufe ich gar nicht mehr ein. Ich tätige keine Großeinkäufe mehr, sondern kaufe mittlerweile alle 2 Tage Mengen, die aus meiner Sicht vollkommen für uns zwei ausreichend sind, mit dem Ergebnis, dass für mich nichts mehr übrig bleibt.
Wer weiß noch Rat, kann mir von seinen Erfahrungen berichten?
Sollte der Langzeitwert nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden können , wird mein Mann in naher Zukunft dauerhaft insulinpflichtig werden. Dann käme noch der alltägliche Kampf mit der Spritzengabe dazu.
Vielen Dank für das Lesen!
Gewichtsverlust bei Diabetes Typ 2 heißt das der BZ extrem hoch ist.
Mein Mann ist Diabetiker Typ1 . Ich muss ihn spritzen. Das gibt 4- 5x am Tag kurz Ärger, weil er nicht will. Der Ärger dauert aber nur Sekunden. Ich spritze einfach durch die Kleidung hindurch. Er ist ja dement und hat es gleich vergessen. Du kannst aber dann auch den ambulanten Dienst dazu holen. Ich finde Insulin besser, weil ich so zu hohen Zucker einfach "runterspritzen" kann.
Das Ganze würde ich aber nur über den Diabetologen regeln. Dort bin ich dann auch bei der Ernährungsberatung gewesen. Die hat mich beraten, wie ich das Insulin spritzen muss, um auch mit dem Zuspritzplan frei arbeiten zu können.
Hallo Gerhild,
vielen Dank für deine wertvollen Erfahrungen und Empfehlungen.
Ich habe auch gelesen, dass das Insulinspritzen oft die bessere Alternative sein soll, als die Metformindauereinnahme. Zurzeit hat mein Mann morgens schon hohe Nüchternzuckerwerte. An solchen Tagen wirkt er dann besonders durcheinander , zusätzlich zur Demenzerkrankung. Diabetes und Alzheimer, eine besonders schwierige, schlechte Kombi!
Wenn es soweit ist, dann muss ich mir einen guten Diabetologen suchen, denn bislang wird mein Mann nur über die Hausarztpraxis behandelt und versorgt. Zu einem Facharzt wollte er trotz Empfehlung leider nie gehen.
Ein ambulanter Pflegedienst ist bei uns schon für hauswirtschaftliche Arbeiten tätig, kann diesen bestimmt auch für das Spritzen bestellen.
Hast du auch Erfahrungen zum herausfordernden Thema "Esssucht- kein Sättigungsgefühl"?
Ja, Demenzkranken fehlt oft das Sättigungsgefühl und hoher Zucker verursacht das Hungergefühl. Wenn die Hausärztin das bisher nicht erkannt hat, ist es dringend Zeit für einen Facharzt.Ich habe sogar einen Diabetologen mit Videosprechstunde. Für Rezepte und Karte einlesen, gehe ich in die Praxis, wenn ich Zeit habe.
Vielen Dank für deine Antwort!
Mein Mann lässt sich seit fast 20 Jahren in unserer Hausarztpraxis mit dem Schwerpunkt Diabetologie behandeln. Er erkrankte außergewöhnlich früh, mit Ende 40 an Diabetes Typ 2, erblich bedingt. Bislang mischte ich mich in der Therapie und Behandlungsform nicht ein, obwohl ich schon längere Zeit der Meinung bin, dass der Besuch bei einem Facharzt dringend angebracht wäre. U.a. hoher Langzeitzuckerwert, der durch Medikamente in Tablettenform nicht mehr in Griff zu bekommen ist.
Mit Beginn seiner Alzheimer Erkrankung, bekam die Diabetes noch einmal eine andere Dimension, zeigt mittlerweile leider auch Begleiterkrankungen in anderen organischen Bereichen. Die größte Herausforderung, auch schon vor der Demenzerkrankung, ist seine hartnäckige Verweigerungshaltung, kaum ärztliche, generell wenig Ratschläge oder Hilfe annehmen zu wollen. Oft kämpfe ich gegen Windmühlen und lasse dann los, weil sein herausforderndes Verhalten soviel Kraft kostet.
In diesem Monat, vierteljährlich, muss mein Mann im Rahmen eines Diabetes Check bei unserer Hausärztin vorstellig werden. Da ich alle Arzttermine begleite, werde ich das Gespräch suchen, um eine Überweisung bitten.
DANKE, für deinen eindringlichen Rat!
wenn der Hausarzt den Schwerpunkt Diabetologie hat, geht das auch. Mein Mann war 36 als die Krankheit ausgebrochen ist. Er war von Anfang an insulinpflichtig.
Hallo Gerhild,
vielen Dank für deine Antwort. Da hast du ja bereits viele Jahre Diabetes Insulin Erfahrung.
Ich bin mir trotzdem nicht sicher, ob ein Besuch bei einem Facharzt nicht angebracht wäre, da ich mittlerweile das Gefühl entwickelt habe, die schlechten Langzeitzuckerwerte meines Mannes werden in Kombination mit seiner Alzheimer Demenz/ Essverhalten nicht ernst genug genommen. Er bekommt wiederholt Verhaltensregeln und Ernährungsberatung an die Hand, obwohl ich auf seine kognitiven Grenzen und keine Mitarbeit hinweise
Bleibe auf jeden Fall am Ball!
da gebe ich dir Recht, beim Diabetologen war sofort klar, als die Demenz feststand, dass wir nicht seine Ernährung, sondern die Behandlung anpassen müssen
So sehe ich das auch, danke!