Demenz bei beiden Eltern
Hallo,
wegen völliger Ratlosigkeit bin ich auf der Suche nach Tipps von Gleichgesinnten...
Meine beiden Elternteile sind von Demenz betroffen, welche sich die letzten Jahre schleichend entwickelt hat. Defizite des einen wurden vom anderen ausgeglichen, so dass sie sich bisher ganz gut ergänzten.
Ich lebe mit den Eltern im Haus, arbeite allerdings Vollzeit und betreue/regele bzw. kümmere mich nach Feierabend und an den Wochenenden um alles und verzichte seit gut zwei Jahren auf fast alles was Freizeit und Urlaub betrifft und fühle mich die letzten Monate bereits mehr als überfordert und ausgelaugt. Das merkt von beiden natürlich keiner und wehe, man kommt eine Stunde später heim, dann würde man sich angeblich irgendwo "verknügen".
Nachdem allerdings meine Mutter immer sturzgefährdeter ist und bereits deswegen anhäufende KH-Aufenthalte hat, baut sie auch jedesmal immer ein kleines Stückchen körperlich mehr ab.
Jetzt nach Weihnachten hat bei uns die Grippe voll zugeschlagen und so hat erst Vater die Mutter und dann direkt auch mich angesteckt. Nachdem die Mutter nicht mehr aufstehen und ich sie auch nicht mehr "händeln" konnte, da sie generell nicht ohne Aufforderung trinkt und isst, ist sie buchstäblich ausgetrocknet und fibrig gewesen.
Letztendlich liegt sie nun seit fast einer Woche im Krankenhaus und soll nun in Kurzzeitpflege.
Der Vater, der sich bisher immer viel noch um Mutter kümmerte und all ihre nächtlichen, fast stündlichen Toilettengänge vom Schlaf abgehalten haben, ist aktuell total durch den Wind. Er steht nachts um 2 Uhr auf und startet in den Tag. Er weiß noch nichts davon, dass die Mutter in Kurzzeitpflege soll und weiß nicht, wie ich ihm das beibringen soll bzw. weiß nicht, was das bei ihm weiter macht, da er durch die noch anhaltende Grippe, doch sehr angegriffen ist.
Kann mir auch nicht vorstellen, dass der Zustand der Mutter, nach der Kurzzeitpflege daheim weiter machbar ist.
Kennt jemand vlt. solch eine Situation und hätte einen Tipp für mich?
Kommentare
Hallo Nata,
rufen Sie doch mal beim Alzheimer-Telefon an: 030 - 259 37 95 14.
Die Kolleg*innen dort sprechen die Situation mit Ihnen durch, um mögliche Wege zu finden. Hier im Forum ist das vielleicht zu komplex für kurze Antworten.
Herzliche Grüße
Susanna Saxl-Reisen, DAlzG
Hallo Nata,
zuerst möchte ich sagen, es ist toll wie Du dich kümmerst! Es zeigt, dass Du deine Eltern liebst und sogar bereit bist Dein eigenes Leben hinten anzustellen. Magst Du sagen wie alt Du bist?
Ich bin 44 Jahre und in einer ähnlichen Situation wie Du. Ich lebe bei meiner Mutter (habe eine eigene Wohnung in der ich aber sehr selten bin) und pflege bzw. kümmere mich um sie. Ich arbeite, gehe danach einkaufen und danach kümmere ich mich um sie. Es ist zur Normalität geworden und wenn ich etwas unternehme kreisen meine Gedanken sowieso nur um sie: ist irgendwas, geht es ihr gut. Das Verhältnis ist umgekehrt, sie ist das Kind und ich die Mutter. Das ist seit 2019 so. Irgendwann ist es Normalität und wenn man Spaß hat, hat man Schuldgefühle. Kannst Du deiner Arbeit normal nachgehen? Ich merke es an der Konzentration, kann nicht abschalten. Ich Arbeite "nur" 35 Stunden. Ich merke den Unterschied zu meinen Kolleginnen und Kollegen, sie freuen sich auf Feiertage oder Urlaub, ich nicht. Ich bin froh, wenn ich in der Arbeit bin und "normale" Menschen um mich habe. Die Situation Zuhause (jetzt mit Demenzanzeichen, meine Mutter ist abweisend, depressiv und dann wieder extrem nett) frisst mich auf. Andere können das kaum nachvollziehen, finden ich bin selbst Schuld, sie könnte ja auch ins Pflegeheim. Aber das könnte ich nicht verantworten.
Ich würde mich über eine Antwort sehr freuen.
Liebe Grüße und noch ein gutes Neues Jahr
Andrea
Hallo zusammen,
schön, dass es dieses Forum zum Austausch gibt.
Ich habe weiter unten ebenfalls einen Beitrag erstellt.
Ich bin 40 und Mutter von 3 Kindern (8, 7 und 3 Jahre). Meine Mutter, 76 Jahre hat ebenfalls Demenz. Wir wissen nur noch nicht genau welche Art und wie schlimm.
Ich bin völlig alleine, denn mein 14 jahre älterer Halbbruder lebt im Ausland. Ich hab keinen Kontakt zu ihm. Meine Tanten leben 300 km von uns. Es gibt niemanden in der Nähe. Hinzu kommt, dass ich 25 Stunden arbeite.
Ich verstehe euch vollständig und es ist okay abzugeben. Wisst ihr wie Tagespflege abläuft? Hat ihr euch um Vollmachten gekümmert? Wenn ja welche?
Dieses Gefühl nie abschalten zu können ist so hart... Es fällt schwer sein Leben abzugeben... und nicht für sich selbst leben geht kaum.
Hallo namenlos,
entschuldige meine späte Antwort!
Ich wünsche Dir und Deinen drei Kleinen ein gesundes Neues Jahr.
Wer kümmert sich denn aktuell außer Dir um Deine Mutter? Ein Pflegedienst?
Ganz ehrlich, ich habe mich nicht um Vollmachten gekümmert weil ich alles verdränge. Ich will noch immer nicht wahrhaben dass es Demenz ist. Das ist unklug, ich weiß.
Hast Du ein gutes Verhältnis zu Deiner Mutter und erkennt sie Dich noch? Ist sie denn körperlich fit oder auch sehr eingeschränkt?
Bei einer Tagespflege kommt ein Abholdienst und bringt die betroffene Person in so etwas wie einen "Kindergarten". Dort sind sie unter Gleichgesinnten und es gibt Möglichkeiten zur Beschäftigung, es wird wohl auch "Unterhaltung" angeboten, je nach Anbieter.
Wo wohnst Du denn, gäbe es denn sowas in der Nähe?
Du hast drei kleine Kinder, die Situation ist sehr schwer, sie verlangen doch Deine ganze Aufmerksamkeit und dann auch noch 25 Stunden Arbeit.
Wirklich super, dass Du das überhaupt machst, Deine Mutter muss Dir viel bedeuten.
Herzliche Grüße aus München
Andrea
Ich kann mal was zur Tagespflege schreiben. Mein Mann war 2 Jahre da. Morgens kam der Bus und hat ihn abgeholt. Das war zeitlich so, dass ich noch in Ruhe zur Arbeit konnte. Dort ist dann Frühstück, Zeitungsschau, Morgenrunde (Sport, Spiele, Unterhaltung, Spaziergänge, ...) . Dann ist Mittagessen. Nach dem Essen machen die meisten Mittagsruhe. Für die anderen wurden noch mal Spaziergänge angeboten. Dann ist Kaffeetrinken. Und 15.00 Uhr war Abholen. Gut fand ich auch, dass es dort Fußpflege und Friseur gab. Es wurden oft kleine Feste gefeiert (Männertag, Frauentag, Erdbeerfest, Karneval, ...) Ich war rundum zufrieden. mein Mann war beschäftigt und der Tag hatte Struktur. Er wurde auch nie zur Beschäftigung gezwungen. Er wurde motiviert, aber wenn er aber nicht wollte, war es auch gut. Und ja, alle waren älter, aber das spielte für ihn in der Demenz keine Rolle.
Zu den Vollmachten. Ich habe alle Vollmachten. Ohne Vollmachten wird es schwierig Dinge zu regeln. Ich habe auch für mich schon alle Vollmachten geregelt. Wenn was passiert, muss ja irgendwer handlungsfähig bleiben. Wir haben es erlebt: Meine Schwiegermutter hatte in der Demenz alle Vollmachten an meinen geistig eingeschränkten Schwager übertragen (vorher hatte sie mein Mann). Der hat das auch unterschrieben und war dann nicht in der Lage kompetent zu entschieden. Gruselig 😊
Hallo Nata,
ich kann sehr gut nachvollziehen, wie überwältigend das für Sie sein muss. Die Pflege von zwei Elternteilen mit Demenz, während Sie gleichzeitig versuchen, zu arbeiten und alles unter einen Hut zu bringen, ist eine enorme Belastung – und es ist völlig normal, dass Sie sich erschöpft und am Ende Ihrer Kräfte fühlen.
Ein paar Dinge, die helfen könnten:
Nimm professionelle Hilfe in Anspruch, wie vorgeschlagen – Alzheimer-Hotlines oder lokale Pflegekoordinatoren können dich über Kurzzeitpflege, Haushaltshilfe und Entlastungsmöglichkeiten beraten.
Pass auf dich auf, auch wenn es nur kleine Dinge sind. Selbst 10–15 Minuten Ruhe, ein Spaziergang oder eine kurze Pause können einen Unterschied machen. Pflegende Angehörige vergessen oft, dass ihre eigene Gesundheit genauso wichtig ist.
Sprechen Sie behutsam mit Ihrem Vater über die Kurzzeitpflege Ihrer Mutter. Einfache, ruhige Erklärungen und Beruhigungen können helfen, seine Ängste zu verringern.
Sie leisten unter wirklich schwierigen Umständen Unglaubliches. Es ist in Ordnung – und notwendig –, um Hilfe zu bitten. Sie müssen das nicht alles alleine schultern.
Hallo ,
bin neu hier und habe auch 2 demente Elternteile. In unterschiedlichen Stadien und irgendwie auch anders. Meine Mutter geht 4x wöchentlich zur Tagespflege. Mein Vater will nicht. Pflegedienst kommt morgens und abends, zusätzlich an vier Tagen mehrere Stunden ein Betreuungsdienst als Haushaltshilfe. Ich arbeite 20 h überwiegend im Homeoffice, bin trotz all der Hilfen, auch vom Rest der Familie, an der Grenze meiner Belastbarkeit angekommen.
Für eine 24 h Kraft benötige ich noch Platz und muss baulich einiges machen. Das anzulegen, dazu fehlt mir die Kraft, hab es das ganze letzte Hahr nicht hingekriegt. Immer ust etwas anders, Krankenhaus, akute Erkrankungen...
Jetzt wehrt meine Mutter seit ein paar Tagen die Unterstützung von Pflegedienst und teils auch von mir zunehmend ab. Ist ist einfach nur noch anstrengend. Ein Arbeitstag im Büro ist dagegen wie Urlaub.
Grüsse
Mo