Schlechtes Gewissen


Hallo zusammen,

ich weiß gerade nicht so richtig, wohin mit mir und hoffe, hier auf Menschen zu treffen, die vielleicht Ähnliches erlebt haben.

Meine Mutter war acht Wochen in einer gerontopsychiatrischen Klinik. Dort wurde Alzheimer-Demenz diagnostiziert. Für die Ärzte, Psychologen und auch für den Sozialdienst war ziemlich schnell klar, dass sie nicht mehr alleine leben kann. Schweren Herzens sind wir als Familie am Ende zum gleichen Ergebnis gekommen.

Aktuell ist sie in Kurzzeitpflege. Sie kommt mit der Situation überhaupt nicht zurecht, ist sehr unglücklich – und gibt mir die Schuld daran. Das trifft mich unglaublich. Ich verstehe ihre Verzweiflung, aber gleichzeitig zerreißt es mich, dass sie mich so sieht.

Ich bemühe mich wirklich sehr, einen guten Platz für sie zu finden, aber das ist gar nicht so einfach. Gleichzeitig weiß ich vom Kopf her, dass wir sie zu Hause nicht angemessen versorgen könnten. Wir arbeiten alle, und selbst wenn wir den Platz hätten, wäre sie die meiste Zeit alleine – was ja auch keine Lösung ist.

Trotzdem fühle ich mich oft so, als hätte ich sie „abgeschoben“. Dieses schlechte Gewissen und ihre Vorwürfe machen mich im Moment so fertig, dass ich sogar krankgeschrieben bin.

Ich möchte nur, dass es ihr gut geht – aber ich habe das Gefühl, egal was ich tue, es ist falsch.

Vielleicht gibt es hier jemanden, der das kennt oder mir sagen kann, wie man mit diesen Schuldgefühlen und Vorwürfen besser umgehen kann…

Danke fürs Lesen.

Kommentare

  • Ein Heim ist kein "Abschieben". Ich bin immer traurig, wenn ich das lese. Aus meiner Sicht wertet es die Arbeit der Menschen ab, die dort arbeiten. Die Fachkräfte in der Pflege haben eine 3-jährige Ausbildung und müssen viele Fortbildungen machen. Professionelle Hilfe ist kein Abschieben, sondern die Entscheidung für eine professionelle Versorgung, die zu Hause nicht immer gegeben ist. Mein Mann war über 30 Jahre Fachpfleger im Heim. Ich habe einige Jahre auch als Fachkraft in der Altenpflege gearbeitet. Ein Heim ist kein "Abstellplatz" sondern es gibt soziale und therapeutische Angebote.

    Jetzt stehen wir beide auf der anderen Seite. Er ist an Alzheimer erkrankt (inzwischen PG 5). Ich bin pflegende Angehörige. Aber ich weiß wo meine Grenzen sind und wann ich mich dafür entscheide, dass mein Mann in ein Heim ziehen wird. Nicht weil ich ihn nicht mehr liebe, sondern weil ich ihn liebe und dort 24/7 Betreuung, Versorgung und Pflege ist.

    Liebe Anita, ich weiß, dass hilft nicht gegen deine Schuldgefühle. Es ist nur meine Sicht auf unsere Situation.

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