Nach Wechsel der Pflegeeinrichtung
Aufgrund von Unzufriedenheit im Heim, in dem meine Mutter 3,5 Jahre lebte und nach Rücksprache mit ihrem Psychiater und dem neuen Heim, habe ich meine Mutter in ein neues Pflegeheim umgezogen. Seit dem plagen mich Schuldgefühle, Reue und Angst im ihr Wohlbefinden.
Meine Mutter war am Ende im Pflegeheim in dem sie war, sehr ruhig und ausgeglichen. Wenn ich zu Besuch war, war das eine Wohltat, das sie endlich so wirkte als hätte sich eine gewisse Zugehörigkeit und ein gewisser Frieden eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt standen wir schon ein Dreiviertel Jahr auf der Warteliste für ein sehr gutes Heim. Die objektiven Unterschiede sind frappierend. Auf den Gedanken, sie überhaupt noch einmal umzuziehen, bin ich überhaupt nur gekommen, weil die Zustände im alten Heim schlechter wurden. Eine ständige Unterbesetzung, kaum Betreuung, hygienische Vernachlässigung meiner Mutter. Besonders schlimm war es für mich, das sie abends ab 7 in ihr Zimmer gebracht wurde, und sie sich nicht mehr selbst beschäftigen konnte. Ich habe mich immer gefragt, was sie dort macht. Die Pfleger haben immer gesagt, das wissen sie auch nicht. Außerdem haben sie immer gesagt, wenn ich gefragt habe, wie es läuft: Sie hat eben viel Angst.
als ich mich dann informiert habe, über einen Wechsel, kam es mir fast so vor, als ob das etwas ist, das man eben machen kann. Das neue Heim hat mir versichert, das sie Zeit für die Eingewöhnung haben. Der Psychiater hat gesagt: wenn es im neuen Heim mehr Ansprache gibt, dann soll man das riskieren. Die Pfleger im alten Heim waren verschiedener Meinung. Eine ihrer Betreuerinnen hat erst gesagt, warum? Es geht ihr doch gut hier. Als ich dann von dem neuen Heim erzählt habe, hat sie gesagt, das wäre schon was für Deine Mutter. Als der Platz dann kam, ca zwei Tage nachdem ich dachte: Ich lass sie jetzt hier. Sie ist so ruhig und wirkt zufrieden, ich aber noch nicht den Platz so schnell absagen wollte, weil wir solange darauf gewartet haben, kam das Angebot des neuen Heimes. Ab da war ich so aufgeregt und Nervös, das ich keine ruhige Entscheidung treffen konnte und habe unter hohem Druck entschieden sie umzuziehen.es gibt sehr viele Vorteile im neuen Heim. Bessere Pflege, mehr Ansprache, Abende mit anderen Bewohnern auf der Couch im Wohnbereich vor dem Fernseher. Man macht ihr Musik an zum duschen, weil sie das nicht zulässt, nimmt sich Zeit, (im alten Heim haben sie sie oft nicht mehr geduscht) sie sitzt oft bei den Pflegern auf einem Sessel oder Stuhl.
trotzdem erlebe ich meine Mutter sehr aufgeregt, sie sagt jetzt oft “komm wir gehen” das hat sie im alten Heim nicht gemacht. Sie kämpft viel mehr. Das neue Heim hat sehr viel mehr Ansprache, aber das Miteinander der Bewohner wird nicht so gut moderiert. Es ist oft laut und am Nebentisch wird gestritten. Es sind viel mehr Sinneseindrücke zu verarbeiten. Im alten Heim hab es nur seichtes Fernsehen. Im meine ist das Programm nicht kuratiert. Mit wie vielen Dingen und Stimmungen sie alleine durch den Fernseher ausgesetzt ist, mag ich mir gar nicht vorstellen.
im Grunde will ich sagen, ich habe einen Fehler gemacht, mit dem ich gar nicht zurecht komme. Ohne Grund. Sie war in einem Pflegeheim, das war nicht perfekt, aber es war ihr Zuhause und ich habe sie dort ruhiger erlebt. Zumindest in den letzten zwei Wochen vor dem Umzug. Ich denke, so dement sie auch war, sie hatte ein Gefühl von Zugehörigkeit. Und um es ehrlich zu sagen: ich auch. Ich kannte die Pfleger, habe manche von ihnen sehr gemocht, es gab eine Art barmherzige Freundlichkeit auf der Station und es war ruhig und erwartbar.
Ich habe dort aber weniger Zeit mit meiner Mutter verbracht, als im meine Pflegeheim, weil das dort logistisch gar nicht so möglich war. Es gab ihr zimmer, indem sie oft unruhig war, wenn ich da war, und den Speisesaal und den Flur.
also habe ich sie mitgenommen zum Eis essen. Am Ende hab ich sie aber einfach dort für eine halbe Stunde besucht und dann haben wir uns ins in den Speisesaal gesetzt und dort war sie still und ich habe mich mit anderen unterhalten. Aber es gab, eben in den letzten zwei Wochen, diese Ruhe, eine Art “Zutraulichkeit” echte Begegnungen und ein Bild das ich nicht los werde: sie wollte sich zu den anderen setzen (dort gab es nur Stühle, und vorher hat sie das zumindest mit mir nicht gewollt) wir saßen gemeinsam da und sie hat über Dinge in dem Kinderfilm gelacht. Insgesamt hatte ich das Gefühl, sie ist nicht so hektisch und “braucht” mich nicht so sehr. Bei den vorherigen Besuchen, hat mir das immer das Herz gebrochen. Da war es das erste Mal, das ich gedacht habe, ok, alles ist gut. Ich darf meine Sorgen um sie ein Stück weit gehen lassen. Nach 3,5 Jahren im Heim und viele Jahre vorher, in denen es diese latente Sorge immer gab.
Seit dem Umzug (3,5 Monate) sind die alten Sorgen nicht nur wieder da sondern haben ein ungesundes Ausmaß angenommen. Ich stelle mir vor, wie sie plötzlich an einem anderen Ort ist, den sie nicht kennt, voller fremder Leute. Mir ist der Ort auch fremd. Verrückterweise bin ich ins alte Heim Liebe gegangen. Es war irgendwie ein trauriger aber auch ein geschützter Ort, mit Kinderfernsehen und manchen unfassbar herzlichen Pflegern. Dort gab es auch so eine Art Verhaltenskodex, es wurde eher eine freundliche, herzlich Distanz bewahrt, die durchaus von manchen Betreuern oder Pflegekräften mit echter Zuneigung unterbrochen wurde.
im neuen Heim Menschelt es den ganzen Tag. Ich denke das überfordert meine Mutter.
seit Tag 1 will ich sie wieder zurück bringen. Aber ihr Zimmer ist natürlich weg. Ich kann die alte Situation nicht mehr herstellen. Selbst wenn das Zimmer noch da wäre, das Heim hat sie sicherlich schon vergessen. Alles in mir will diese Entscheidung rückgängig machen. Und egal wie sehr ich mich anstrenge, ich kann keine Vertrautheit mit dem neuen Heim erlangen.
ich wollte fragen, ob es hier Menschen mit ähnlichen Erfahrungen gibt. Seit dem Umzug überrollt mich eine Welle von Reue und Ohnmacht und Sorge. Das Gefühl Diese Unmöglichkeit es ihr zu erklären, die unfassbare Verantwortung die man trägt (ich bin zu dem Schluss gekommen, das ich durch den Umzug eine Verantwortung auf mich geladen haben die zu groß für mich ist) Dann sicherlich auch Schuld, aber vor allem schaffe ich es nicht mit den Konsequenzen zu leben. Meine Mutter zu sehen, die ich seit der Diagnose und dem Fortschritt der Demenz immer unbedingt schützen wollte, ihr gute letzte Jahre zu ermöglichen, und eigentlich ist sie jetzt mit so vielen konfrontiert, von dem ich nicht weiß, wie es ausgeht. Und ob es ihr gut geht. Ich habe mittlerweile gemerkt, das viele von den Gründen für den Umzug Gründe waren, die ich innerlich in meiner Einstellung hätte ändern müssen, aber nicht meine Mutter umziehen. Also habe ich ihr geschadet, zusätzlich zu der Krankheit.
Gibt es hier Menschen mit ähnlichen Erfahrungen?
Vielen Dank,
Hanna