Verdacht auf Demenz oder Alzheimer

Hallo ihr Lieben, meine Mama baut seit mehreren Jahren ab. Am Anfang war es nur Vergesslichkeit. Sie hatte auch depressive Verstimmungen. Wenn man sie darauf anspricht, funktioniert das leider garnicht. Sie sagt es ist alles gut. Ich würde ja auch mal was vergessen. Inzwischen ist sie mit vielen Dingen überfordert. Mein Papa übernimmt ganz viel. Einkaufen, Organisieren usw. Was im Moment wirklich schlimm ist, ist das Sie so böse zu ihm ist. Sie haut auch manchmal und wirft ständig Sachen, da sie ja nicht versteht das sie es vergessen hat. Wir haben keine Diagnose und keine Pflegestufe. Mein Papa will das noch so weiter schaffen. Aber ich stehe ständig dazwischen. Ich weiß manchmal nicht wie wir das schaffen sollen.

Kommentare

  • Als Erstes Diagnose klären lassen und alle Vollmachten regeln.

    Herausforderndes Verhalten (Aggression und Depression) und Demenz gehören oft zusammen. Depression und Aggression entspringen beide der Hilflosigkeit und Ohnmacht. Das eine richtet sich nach innen, das andere nach außen. Die Aggression entsteht am Kipppunkt. Wo das Denken versagt, bleibt nur das Gefühl.

  • Danke liebe Gerhild,

    das Problem ist, das wir meine Mama nicht zum Arzt bekommen. Naja vielleicht ergibt sich ja was.

  • Hallo Romy,

    ich kann mich Gerhild aus eigenen Erfahrungen nur anschließen. Ohne Diagnostik und Vollmacht wird die sehr belastende Gesamtsituation weiterhin schwierig bleiben.

    Mein an Alzheimer erkrankter Mann, ebenfalls ein hartnäckiger Arztbesuchverweigerer, wurde letztendlich von unserer Hausärztin bei einer Check Up Untersuchung , im Rahmen einer Vorsorge, zur Umkehr "gezwungen". Es erfolgte ein Anruf in die Gedächtnisambulanz einer Memoryklinik, schlussendlich mit der Diagnose Demenz vom Typ Alzheimer. Dadurch konnten wir auch einen Pflegegrad beantragen.

    Vielleicht wäre es ebenfalls eine Option für euch, den Hausarzt mit einzubeziehen, wie man gemeinsam strategisch vorgehen könnte. Den Angehörigen bleiben meistens die Hände gebunden, deshalb muss man sich Mitwisser ins Boot holen.

    Ich wünsche euch viel Erfolg!

  • Ganz lieben Dank liebe Rosarot. Aber so lange mein Papa keine Schritte gehen will, ist und bleibt es schwierig. Ich will ihn ja auch nicht zwingen und er ist der der den Großteil trägt. Ich bitte im immer wieder Hilfe an und Unterstützt. Aber er will nicht. Vielleicht noch nicht.

  • Mir als Angehörige hat geholfen, zu wissen, wenn eine Diagnose da ist kann ich mich selbst entlasten. Das was ich gemacht habe ist mir eine Betreuungskraft über den Entlastungsbetrag zu holen und mal allein einkaufen gehen zu können o.ä..

  • Hallo Romy,

    es ist schwierig, wenn beide Eltern keine Hilfe annehmen wollen. Dann kannst du wirklich nur weiterhin tatenlos zusehen, gegebenfalls ab und zu als Tochter unterstützen.

    Letztendlich wird die Erkrankung deiner Mutter, deren Symptome und Belastungen im Alltag ihren Lauf nehmen und die "Schmerzgrenze" deines Vaters auf eine harte Probe stellen. Vielleicht ist er dann gewillt.

    Ich wünsche viel Glück!

  • Hallo ihr Lieben, inzwischen ist viel passiert. Die Aggressionen haben deutlich zugenommen. Vor allem gegen meinen Papa. Mit ständiger Zerstörung von Geschirr, Bedrohung meines Papas mit einem Messer, selbstverletzenden Verhalten. Bis ich vor 3 Wochen den Notruf gewählt habe. Weil mein Papa sich im Zimmer aus Angst eingeschlossen hat und meine Mama gedroht hat vom Balkon zu springen. Alles ist harmonisch verlaufen, meine Mama ist mitgefahren. Dann ging es relativ schnell in die Psychiatrie. Dort hat sie zu Beginn so gewütet, dass Sie ruhig gestellt werden müsste. Zum Glück hat sie sich beruhigt und wir haben den Eindruck das es ihr mit dem geregelten Tagesablauf und den Beschäftigungen besser geht. Mein Papa hat inzwischen gesagt, dass er es nicht mehr schafft sie zu versorgen. Und wir suchen gerade einen Heimplatz. Es ist für mich unheimlich schwierig und obwohl ich weiß das es keine andere Lösung gibt, halte ich es einfach nicht aus. Ich habe Schuldgefühle und möchte meiner Mama nicht ihr Zuhause nehmen. Sie hat jetzt die Diagnose mittelschwere Demenz. Wie geht ihr damit um?

    Liebe Grüße Romy

  • Hallo Romy,

    In Hinsicht Medikamente bin ich bei meiner Frau grad in einer ähnlichen Situation wie du. Ich bin bisher da für mich ziemlich ablehnend gewesen, da ich die negativen Auswirkungen davon selber auch schon mitbekommen habe. Ihre Aggresivität ist glücklicherweise nicht körperlich, sondern eher verbal. Beleidigungen und Aggressionen, vermischt mit einigen wenigen depressiven Phasen sind mittlerweile an der Tagesordnung bei ihr. Leider hat sie aber auch Phasen, in denen sie komplett die Kontrolle verliert. Einmal hat sie mit einem scharfen Messer in der Hand wie wild auf ihr Brot eingehackt. Zum Glück ist nichts weiteres dabei passiert. Ich hab zwar deshalb alle Messer mal aus ihrer Reichweite entfernt. Aber das wird auch nur begrenzt helfen. Übernächste Woche bin ich bei ihrem Arzt. Mal sehen, was dabei rauskommt. Zumindest durch etwas intensivere Betreuung von mir lässt sich das zur Zeit noch etwas abmildern. Ich denke die Entscheidung für einen Heimplatz ist die richtige. Ich schau mir auch grad alle Heime und Demenz-WGs in der näheren Umgebung an, damit ich bei einer Verschlimmerung ihres Zustands eine Alternative habe. Aktuell sehe ich das noch nicht als notwendig an. Als Alternative kannst du dich als Zwischenlösung noch mal Umschauen, ob es in deiner Nähe eine Tagesbetreuung gibt, welche auch von deiner Mutter akzeptiert wird. Irgendwelche Schuldgefühle oder Vorwürfe solltest du dir in keinem Fall machen. Für den Zustand deiner Mutter oder die Demenz kannst du nichts dafür. In Pflegeheimen hast du geschultes Personal, die entsprechend ausgebildet sind und die sich um deine Mutter wahrscheinlich besser kümmern können als du selbst.

    Liebe Grüße

  • Hallo Romy,

    Demenzerkrankungen nehmen ihren Lauf, entwickeln sich massivst. Letztendlich ist nach deinen ausführlichen Schilderungen die Suche nach einem Heimplatz oder einer Demenz WG auch aus meiner Sicht nun die beste Lösung für deine Mutter, vor allem auch für deinen Vater. Seine Schmerzgrenze ist erreicht und es gilt jetzt auch auf sein Wohl zu schauen, damit endlich Ruhe und Entspannung eintreten kann. Bislang lebte er in ständiger Angst und Sorge. Diese tägliche Herausforderung kann auch ihn auf Dauer psychisch und physisch krank machen und einen Menschen zerbrechen lassen. Damit ist dann leider keinem geholfen.

    Aus eigenen Erfahrungen weiß ich, dass eine Heim- oder Demenz WG Unterbringung nicht das Ende der Welt bedeutet, auch wenn man anfänglich von Schuldgefühlen geplagt wird. Du nimmst deiner Mutter mit dieser Entscheidung nicht ihr Zuhause, sondern handelst im Gegenteil sehr verantwortlich. Geschultes Personal, welches auf die individuellen Bedürfnisse von Demenzerkrankten spezialisiert ist, umsorgen sie, können dementsprechend auf sie eingehen, mit ihrem herausforderndem Verhalten fachkompetent umgehen, denn realistisch gesehen wird die Erkrankung weiter ihren schweren Verlauf nehmen.

    Ihr könnt eure Angehörige durch Besuche oder kleine Unternehmungen liebevoll in ihrem neuen Zuhause begleiten, entspannt mit Ruhe ohne inneren Druck, Stress auf sie eingehen. Ein unschätzbarer Wert für die Zeit, die einem im gemeinsamen Zusammensein noch bleibt.

    Wir haben nur sehr gute Erfahrungen gemacht, natürlich uns umfassend über die verschiedenen Möglichkeiten einer Unterbringung informiert und uns letztendlich für eine Demenz WG entschieden.

    Ganz viel Kraft, Stärke und Mut wünsche ich!

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