Mutti will wieder nach Hause -was tun?

Hallo in die Runde,

ich bin vollkommen am Ende und weiß nicht mehr was ich machen soll. Meine Mutter ist jetzt seit 10 Tagen in einem Pflegeheim und möchte nur nach Hause und ich kann sie auch irgendwie verstehen, denn so dolle ist es dort nicht.

Doch um die Situation mit meiner Mutter und mir (ich bin 66 Jahre alt) besser zu verstehen, muss ich fast ein bisschen ausholen.

Meine Mutter ist 88 Jahre alt und lebte nach dem Tod meines Vaters vor 4 Jahren allein in ihrer Wohnung im 1.Stock. Ich wohne ca.35 Minuten von meiner Mutter entfernt und habe sie regelmäßig 2-3 mal in der Woche besucht und unterstützt.

Vor gut 14 Monaten hatte meine Mutter einen Schlaganfall und kam nach dem Krankenhaus, in die Reha. Dort ist sie leider gestürzt und hat sich einen schweren Beckenbruch zugezogen. Nach der Operation kam die wieder in die Reha. Insgesamt waren es 5 Monate!!

Damals wurde mir schon mitgeteilt, dass sie aufgrund ihres Gesundheitszustandes ins Pflegeheim gehen sollte, da sie überwiegend im Rollstuhl sitzt und alleine nicht zurecht kommt.

Aber meine Mutter ist sehr stur und bestimmend und hat diese Option kategorisch, mit den Worten, "meine Tochter kümmert sich um mich" ausgeschlossen.

Zu dem Zeitpunkt habe ich schon gewisse geistige Veränderungen bei meiner Mutter wahrgenommen, dachte aber, es ist dem Alter und den 5 Monate langen Aufenthalt geschuldet.

Als brave Tochter habe ich dann alle Hebel (Unterstützung durch Diakonie, Notruf-Knopf, Hilfe von einer Nachbarin und Altenpflegerin,wenn ich nicht da bin) in Bewegung gesetzt, damit sie wieder nach Hause kann.

Ich selbst, 66 Jahre, bin dann 4-5 Mal in der Woche zu meiner Mutter gefahren, z.T. auch mit Übernachtung um alles zu organisieren und zu schaffen. Denn mit nur mal kurz vorbei schauen, ist es ja nicht getan. Man muß einkaufen, Essen machen (Essen auf Rädern lehnt meine Mutter ab) Wäsche waschen, Wohnung putzen...und sich um die Mutter kümmern . Für meine Mutter war das alles eine Selbstverständlichkeit, auch dass ich sie, als Tochter z.B. im Intimbereich wasche ,den Dekubitus und andere Wunden versorgen sollte, denn jemand anderen lehnte die strikt ab.

All dass war für mich persönlich schon sehr grenzwertig, d.h. ich ging monatelang über meine eigenen Grenzen und es brachte mich ans Limit meiner Leistungsfähigkeit. Das lag auch oft daran, weil meine Mutter sich z.Teil trotzig wie ein kleines Kind aufgeführt hat und dann kam es auch zum Streit.

Letzt endlich habe ich aber auch gemerkt, dass sie immer weniger in der Lage war, alleine zu sein und deswegen habe die Nachbarin gebeten noch mehr nach ihr zu schauen. Durch die vermehrte Inkontinenz sind wir kaum mehr mit den Waschen hinterher gekommen..... es war mittlerweile ein Vollzeitjob und mein eigenes Leben war fast nicht mehr vorhanden.

Vor 2 Monaten hat es dann über Nacht "KLICK"im Kopf meiner Mutter gemacht und sie war nicht mehr die gleiche,wie vorher. Die Nacht wurde zum Tag gemacht, sie zog sich mehrmals aus, weil angeblich alles nass wäre, sie frühstückte Nachts um 1.00 Uhr, hatte Verwirrtheitszustände, Wortfindungs - und Orientierungsstörungen, sah Dinge die es nicht gab und konnte sich am nächsten Tag an nichts erinnern. Aber auch am Tag waren immer wieder so Aussetzer (so verkohlte sie Brötchen in der Mikrowelle oder setzte ihre Zeitung in Brand) und sie ist 3 x gestürzt, was wegen ihrer hochgradigen Osteoporose nicht gut ist. Ich konnte sie im Grunde genommen zu keiner Tages-und Nachtzeit mehr alleine lassen.

Wegen der Verwirrtheit und erhöhter Entzündungswerte hat sie der Hausarzt ins Krankenhaus einweisen lassen und da wurde dann nach 3 Wochen u.a. auch eine Demenz festgestellt.

Alle Ärzte dort haben mir dringend angeraten, dass meine Mutter in ihrem Gesundheitszustand nicht mehr nach Hause kann und in ein Pflegeheim muß.

So kam sie nach dem Krankenhaus in die Kurzzeitpflege. Dort wurde sie mit speziellen Medikamenten ruhig gestellt werden, weil sie sehr unruhig war, geschrien hat und dauernd den Knopf gedrückt hat. Ich wurde in der Zeit von meiner Mutter mit Telefonterror bombardiert, jeden Tag kamen bis zu 150 Anrufe und Nachrichten , in denen sie entweder hat sie gebettelt, ich soll sie aus dem schlimmen Haus rausholen, alle wären böse und gemein zu ihr oder sie hat mich beschimpft und gedroht mich fertigzumachen.

Ich habe dann in der Zwischenzeit nach einem Pflegeplatz bei mir in der Nähe gesucht und auch gefunden. Seit gut 10 Tagen ist meine Mutter dort und es ist genauso, wie in der Kurzzeitpflege zuvor.

Ich bin vollkommen am Ende und weiß nicht mehr ,was ich machen soll. Meine Mutter möchte nur nach Hause. Sie meint, dass sie alles Zuhause allein bewältigen kann, aber ich weiß, dass sie überhaupt nichts mehr bewältigen kann. Sie versteht nicht, dass das alles zu ihrem Schutz ist. Das schlimme daran ist eben auch dass die Entscheidung der Heimunterbringung von mir und meinem Sohn (als Bevollmächtigte ) gefällt wurde und nicht von ihr. Ich entscheide über den Aufenthaltsort, über das Leben meiner Mutter und ich habe das Gefühl, es zerreißt mich innerlich, wenn ich ihrer Bitte nicht nachkomme,kann dass irgendjemand hier nachvollziehen?

Aber selbst mit einer 24 Stundenpflegekraft kann ich dass nicht schaffen, Ich bin echt verzweifelt!

Gibt es hier irgendjemand, der mir was empfehlen oder raten kann??

Verzweifelte Grüße,

Carola die Pastelline

Kommentare

  • Guten Abend Pastelline,

    es tut mir sehr leid, dass du dich in so einer verzweifelten Situation mit deiner Mutter befindet. Jeder, der erkrankte pflegebedürftige Elternteile/Partner hat, kann deine Sorge, deine ambivalenten Gefühle sehr gut nachvollziehen. Hier geht es vielen Angehörigen so.

    Das Herz weint, aber der Kopf, die Vernunft hat entschieden....

    Darin möchte ich dich ermutigen und bestärken.....dein Bruder und du habt aus meiner Sichtweise richtig gehandelt. Ein, an Demenz erkrankter Mensch, kann die Entscheidung für sich und sein Leben gar nicht mehr treffen, wird die Gründe und Folgen daraus nicht verstehen. Das bringt die Erkrankung so mit sich.

    Es bedarf deshalb verantwortungsvolle Angehörige, die sich um eine adäquate Wohnform kümmern, in der die Mutter oder der Vater nach ihren individuellen Bedürfnissen bestens betreut wird. Ihr habt verantwortungsbewusst und richtig gehandelt. Die Erkrankung deiner Mutter hat schon gravierende Fortschritte gemacht, die du zu Hause nicht mehr bewältigen könntest. Deshalb müssen nun Fachleute sich weiterhin um das Wohl deiner Mutter kümmern und du kannst sie zu jeder Zeit in ihrem neuen Zuhause liebevoll begleiten.

    Die allermeisten Menschen verlangen in der Anfangsphase der Eingewöhnung ihr altes Zuhause zurück und tun alles, um ihre Angehörigen "unter Druck" zu setzen, wieder dorthin zurückkehren zu wollen. Das ist aus ihrer Sicht gesehen auch vollkommen verständlich. Es braucht Zeit und viel Geduld, bis sie in ihrem neuen Leben, in einer fremden Umgebung angekommen sind, sich zurechtfinden.

    Ich habe die gleichen Erfahrungen mit einem Angehörigen gemacht, den wir aufgrund der Schwere seiner Alzheimer Demenz bei uns zu Hause nicht mehr betreuen konnten. Die Entscheidung für ein Pflegeheim ist uns damals nicht leicht gefallen. Es war aber unsere Selbstrettung, damit wir sind sprichwörtlich vor die Hunde gegangen wären.

    Auch wir Angehörige haben das Recht auf Selbstfürsorge, ohne Schuldgefühle. Es nutzt dem pflegebedürftigen Menschen wenig, wenn wir selber nicht an unsere Gesundheit denken, im schlimmsten Fall durch die aufopfernde Pflege und Begleitung erkranken. Selbstzweifel, die richtige Entscheidung im Sinne des Angehörigen getroffen zu haben, sind verständlich, vor allem wenn soviel Druck auf dich ausgeübt wird.

    Aber wenn du das Für und Wider abwägst, wirst du bestimmt erkennen, das es die richtige Entscheidung war, für deine Mutter ein gutes Pflegeheim zu suchen. Du wohnst in der Nähe und kannst sie besuchen, vielleicht auch bald mal in entspannter Atmosphäre, mit ihr etwas unternehmen, einen kleinen Spaziergang machen oder einfach nur bei ihr sein, ihr Nähe und Geborgenheit geben, mit dem Wissen, dass das Beste für sie getan wird.

    Wir haben nur gute Erfahrungen mit der Unterbringung in einem Pflegeheim gemacht. Höchst engagiertes Personal, welches immer sein Bestes gab. Natürlich lief nicht immer alles rund, das ist menschlich . Aber gemeinsam wurde dann an einer annehmbaren Lösung zum Wohle unseres Schwiegervaters gearbeitet.

    10 Tage sind für ein Ankommen in der neuen Umgebung noch viel zu kurz. Alles braucht noch seine Zeit!

    Hab Geduld mit dir, deiner Mutter und der neuen Situation.....ich wünsche viel Kraft!

  • So sehe ich es auch, 10 Tage sind zu kurz zum Eingewöhnen. Es kann 3-4 Monate dauern und manchmal noch länger. Sie war in den letzten Monaten an so vielen verschiedenen Orten. Das bringt sie völlig durcheinander. Es ändert nichts, wenn ihr den Heimaufenthalt jetzt abbrecht. Ihr steht irgendwann wieder vor der gleichen Frage der Heimplatzsuche.

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