Psychotherapie für pflegende Angehörige
Ich fange mal eine neue Diskussion an, damit nicht alles durcheinander läuft. Es gab die Frage bei "Umgang mit dementem Ehemann" ob jemand Psychotherapie macht.
Ich habe jetzt nach langem Warten einen privaten Therapieplatz bekommen. Ja, das kann sich nicht Jede/r leisten. Aber mein Mann hat PG 5und ich bekomme immer noch genug vom Pflegegeld ausgezahlt. Dies investiere ich jetzt in die Psychotherapie für mich. Noch weiß ich nicht, ob es helfen wird. Aber ich weiß, ich brauche Jemand neutrales, um meine Gedanken zu sortieren.Was mir am meisten fehlt ist, die Freiheit einfach so wegzugehen/ wegzufahren. Mein Denken kreist viel zu oft nur um Pflege und Job.
Aber auch mich interessiert die Antwort anderer auf die Frage: Würdet ihr Psychotherapie machen?
Kommentare
Hallo Gerhild,
aus meiner Sicht finde ich eine Psychotherapie zum Thema " Umgang mit meinem dementen Ehemann/ Ehefrau " absolut hilfreich und würde diese Möglichkeit persönlich auch in Betracht ziehen, wenn die Warteliste für einen Platz bei uns in der Region nicht so unfassbar unendlich lang wäre, bis zu zwei Jahren, auch Selbstzahler haben mittlerweile lange Wartezeiten.
Was ich aber vor, während und nach der Diagnostik eigentlich benötigte, war Soforthilfe!
Deshalb besuche ich jetzt eine individuelle Gesprächs- Verhaltenstherapie zur Unterstützung im Alltag, um mich im Umgang mit meinem an Alzheimer Demenz erkrankten Ehemann nicht aus den Augen zu verlieren. Ich bekomme hilfreiche Tipps , " Handwerkzeuge " an die Hand , um meinen in der Erkrankung recht herausfordernden Mann zu begleiten, aber auch Grenzen zu setzen, auf meine seelische Gesundheit zu achten, ohne Schuldgefühle, die Symptomatik seiner Erkrankung besser zu verstehen und einordnen zu können.
Der Träger ist eine kirchliche Einrichtung, aber die Psychologin in jeglicher Hinsicht sehr weltoffen. Sie ist ein Glücksgriff!
Sicherlich ist das "Therapeutische" nicht für jedermann geschaffen, denn dafür bedarf es Offenheit, Ehrlichkeit und Vertrauen, sich einer fremden Person öffnen zu können und ein gewisses Maß an Selbstreflexion. Die Erkenntnis, auch die eigenen Gedankengänge, Verhaltensweisen zu überdenken.
Für mich brachte dieser Schritt jedoch nur Vorteile, nachdem mein Leidensdruck aufgrund der massiven Wesensveränderungen meines Mannes gepaart mit schwerer Depression, meine Traurigkeit über unsere sich verändernde Partnerschaft und gemeinsame Zukunft groß war, obwohl ich grundsätzlich immer ein positiver Mensch bin, nach vorne schaue. Aufgeben gibt's nicht!
Wir Angehörige, so sehe ich es, haben auch uns gegenüber eine Pflicht der Selbstfürsorge und wenn , gerade diese, Psychotherapie heißt. Ein neutraler fachkompetenter Mensch kann dabei sehr nützlich sein, sieht die individuelle Lebenssituation aus verschiedenen Blickwinkeln. Emotional aufgefangen zu werden, ohne die eigene Familie mit meinen Sorgen und Ängsten ständig zu belasten, das tut mir unglaublich gut.
Ich wünsche dir viel Erfolg beim Gedankensortieren!
Die Angebote kirchlicher Träger (gegen Spende) gibt es bei uns auch. Aber die sind alle mitten in der großen Stadt und wir wohnen am äußersten Rand. Ich habe über ein Jahr auf einen Therapieplatz in Wohnungsnähe gewartet. Ich danke dir für deine Infos, das macht mir Mut diesen Weg zu gehen.