Belastungen und Schuldgefühle im Umgang mit beginnender Demenz
Hallo zusammen,
bei meiner Mutter wurde kürzlich eine beginnende Demenz festgestellt. Wenn ich ehrlich bin, haben sich die Anzeichen schon in den letzten 3 Monaten immer mehr verstärkt. Ich habe das anfangs noch nicht wahrhaben wollen. Mittlerweile sind die Schwierigkeiten im Alltag nicht mehr zu übersehen. Sie ist zeitlich und/oder örtlich z. T. desorientiert, hat aber auch "lichte Momente". Ich hatte sie im Juni zur Kurzzeitpflege in ein Pflegeheim gegeben. Dort hat man sie durch die regelmäßige Betreuung wieder etwas aufgebaut. Da sie kein einfacher Mensch ist und hohe Ansprüche hat, hat sie aber eher die Schattenseiten des Lebens im Heim gesehen (Zweibettzimmer, Reibereien mit ihrer Mitbewohnerin usw.). Sie hatte dann immer vehementer darauf bestanden, wieder in ihr Haus zurückzukehren. Ich habe letztlich zugestimmt und ihr gesagt: Na gut, versuchen wir es mal. Vor zwei Tagen habe ich sie dann wieder in ihr Haus gebracht. Wie von mir erwartet, ist sie dort schon am nächsten Tag wieder völlig überfordert gewesen, ist zweimal gestürzt, hat mehrfach bei mir relativ verwirrt angerufen, vergisst zu essen und zu trinken, findet ihre Sachen nicht wieder usw.
Ich mache mir Vorwürfe, dass ich es zugelassen habe, sie an einem Freitag wieder zurück in ihr Haus zu lassen. Am Wochenende ist natürlich niemand im Pflegeheim bzw. beim Pflegedienst für solche Fälle erreichbar. Nun muss ich morgen früh (Montag) versuchen, so schnell wie möglich wieder einen Platz im Pflegeheim zu finden.
Was mir im Moment extrem schwerfällt, ist es auszuhalten, dass sie mittlerweile ein anderer und vollkommen hilfloser Mensch ist, mit dem man kaum noch "normal" kommunizieren kann. Ich bin ein sehr strukturierter und zielstrebiger Mensch, merke aber, dass ich sie mit meiner Art inzwischen völlig überfordere. Hinzu kommen permanente Schuldgefühle, nicht genug zu tun, und Wut auf sie, dass sie ihren Willen durchgesetzt hat, obwohl es erkennbar war, dass es nicht funktioniert.
Ich vermute, dass viele, die hier im Forum lesen und diskutieren, ähnliches erleben. Habt ihr irgendwelche Strategien,
a) in Gesprächen ruhig zu bleiben und sich nicht emotional mitnehmen zu lassen (so wird es ja in den Alzheimer-/Demenz-Broschüren empfohlen), wenn in Diskussionen unsinnige Argumente kommen oder man provoziert wird und
b) sich abzugrenzen und sich nicht völlig runterziehen zu lassen? Im Moment bin ich total energielos und mein Alltag wird komplett von der Sorge und den Schuldgefühlen dominiert, was natürlich nicht gut ist.
Ich bin für Erfahrungen, Tipps und Zuspruch dankbar!
Viele Grüße, Tobias