Frühe Anzeichen, als Angehörige eine dementielle Entwicklung erkennen und richtig damit umgehen...
Hallo ihr liebe Forumsteilnehmer,
wie schön, dass es diese Möglichkeit gibt. Ich möchte euch von meinem Mann erzählen, von dem ich denke, dass er an einer krankhaften Veränderung der Wahrnehmung und der Informationsverarbeitung leidet. Ich glaube, er leidet auch, und ich leide sehr darunter. Ich werde jetzt mal die Symptome schildern, die ich mittlerweile gerne einem Arzt schildern würde:
Es gab mehrere Phasen:
- Nicht mehr Wissen von wichtigen Begebenheiten und/oder Begegnungen, an denen er aktiv beteiligt war.
- spontanes Weinen, vor allem bei Kindheitserinnerungen, das war eigentlich ganz sympathisch, aber ungewöhnlich.
- Fehlendes Sättigungsgefühl und eine neue Art von "Genusssucht", wie er selber sagt.
- Kommunikation geht immer dann gut, wenn er in Phrasen sprechen kann.
- Früher war er der Elektriker im Haus, nun bin ich diejenige, die sich um die EDV kümmert. Komplizierte Vorgänge machen ihm viel Mühe, ob er sie noch könnte, weiß ich nicht, denn er fordert stets mich dazu auf, und ich lerne dazu...
- Seit neuestem wird er gelegentlich wegen Kleinigkeiten aggressiv, zuhause schon länger, seit neuestem auch auf der Straße. Nun bin ich gespannt, ob mal jemand anderes in der Nachbarschaft merkt, dass er nicht mehr derselbe ist?!
Nun bin ich gespannt, ob sich jemand von euch zu meinem Beitrag äußert. Es tut erstmal gut, das Herz auszuschütten und die Beobachtungen in Sätze zu bringen.
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Kommentare
Hallo, manchmal ist es hier sehr ruhig. Als bei meinem Mann die ersten Anzeichen von Demenz aufgetreten sind, wusste ich nicht wie ich damit umgehen soll. Es gab dann eine Überweisung in die Gedächtnissprechstunde . Ein CT und die Tests dort haben Klarheit gebracht. Er wurde öfters aggressiv und dies auch öfters draußen auf der Strassse. Lies hier einfach etwas rum und melde dich dann wieder. LG Gerhild
Hallo,
ich lese gerade deine Schilderungen und finde mich teiles darin wieder. Dieses aggressive Verhalten kenne ich auch und macht mich widerum wütend! Auch das nicht eintretende Sättigungsgefühl dominiert den Alltag. Ich weiss mir da mittlerweile auch keinen Rat mehr; es sei denn, ich könnte den Kühlschrank abschliessen. Aber dann gibt's wieder andere Wege. Ich bin auch gespannt, wie die Einschätzungen anderer sind!
Liebe Grüße
~Mango~
Hallo liebe Forumsteilnehmer und Antworter (innen),
danke für eure Anteilnahme! Was mich aktuell so zur Verzweiflung bringt, ist, dass die aktuellen Probleme mit meinem Mann auch einfach ein Beziehungsproblem sein könnten, solange ich keine Diagnose habe. Mein Sohn möchte jetzt mal die Beziehung zu dem Stiefvater (nicht zu mir, seiner Mutter) abbrechen, weil er so immer wieder so menschenverachtende Sätze sagt, und nicht in der Lage ist, den kleinsten Gedanken nachzuvollziehen, geschweige denn ein anspruchsvolles Gespräch zu führen.
Wie bekomme ich den Mann zum Arzt?? Damit endlich Klarheit in die Situation kommt!!!!
Auch das kenne ich. Ich habe anfangs auch gedacht, dass ist ein Beziehungsproblem.
Hallo Gerhild,
wie ist es denn bei dir weitergegangen?? Mich interessiert es brennend, wie es anderen Betroffenen in dieser Zeit vor der Diagnose ergangen ist.
Es gibt hier nämlich auch Leute, die sich sicher sind, dass mein Männe einfach ein unreifer Egoist ist, war und bleiben wird, aber keineswegs krank ist.
Aber wenn ich die Schablone mit der FTD auflege, und ihn auch so behandele und ihn nicht überfordere, dann passt die Situation...., und dann wirds auch friedlicher....
Für mich hat die Diagnose Erleichterung gebracht. Ich hatte etwas, womit ich umgehen konnte. Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich einige Jahre in der Altenpflege als Fachkraft gearbeitet habe und dort oft mit dem Thema Demenz konfrontiert war.Aber Demenz bei dem eigenen Partner ist noch mal was anderes. Ich konnte die Erkrankung gut anerkennen. Der reale, tägliche Umgang damit, das musste ich erst lernen. Außerdem ist die Erkrankung ja fortschreitend und es kommen immer wieder neue Einschränkungen dazu. Mein Mann hat seine Erkrankung nie anerkannt und nie darüber geredet. Gegenüber anderen Menschen habe ich immer offen darüber geredet, dass mein Mann an Alzheimer erkrankt ist. Ich hätte sonst nicht gewusst, wie ich sein Verhalten erklären soll. Außerdem werde ich leider auch manchmal laut.
Du fragst, wie es vor der Diagnose war. Da habe ich tatsächlich gedacht, wir haben Beziehungsprobleme. Außerdem hatte mein Mann nach einer Krebserkrankung eine Chemo und dann können kognitive Einschränkungen auftreten, die wieder weg gehen. Der Knall kam, als der Diabetologe feststellte, dass mein Mann seine Insulinpumpe nicht mehr handhaben kann.
Hallo und Moin zusammen,
ich finde mich hier in euren Berichten auch wieder. Auch ich bin ziemlich verunsichert, das geht schon länger so. Ich kenne ja meinen Mann schon seit 40 Jahren, da merkt man doch als Frau, wenn etwas nicht mehr stimmt, die Kommunikation nicht mehr richtig gelingt, manchmal nur noch zeitweise, manchmal garnicht mehr. Da kommt entweder keine Antwort oder eine halbe Antwort aber manchmal paßt es auch. Mein Mann weicht oft vor mir zurück, ist ungehalten bis aggressiv, ich denke in diesen Momenten bin ich ihm fremd. Er fremdelt auch mit den Nachbarn, andere soziale Kontakte haben wir nicht. Der Verstand ist einfach nicht mehr da, so wie es mal war, das kommt auch nicht mehr wieder, im Gegenteil es wird Stück für Stück weniger mit ihm.
Ein selbständiges Denken, Planen und Ausführen gelingt nur noch in den Dingen, die er schon immer so gemacht hat. Rasenmähen zum Beispiel.
Mir fehlt mein Mann sehr, ich habe ihn zu verschiedenen Fachärzten genötigt, auch zum MRT. Jeder Arzt hat auf seinem Gebiet etwas gefunden, das MRT war unauffällig. Der Hausarzt sagte Depressionen und dementielles Syndrom, der Psychologe befand eine leichte Form einer bipolaren Erkrankung der Schilddrüsenspezialist eine Schilddrüsenunterfunktion. Ich hatte immer wieder neue Hoffnung auf Besserung aber nichts ist besser geworden.
Ich bin der festen Überzeugung, dass sein Vater FTD hatte mit Freßsucht, peinlichem, distanzlosen und auch sexualisierten Verhalten. Das mit anzusehen war schlimm aber am Ende war meine Schwiegermutter damit alleine, wir haben die Schwiegereltern nur noch selten besucht. Heute tut mir das leid, wir hätten sie unterstützen müssen, aber das war vor 35 Jahren, da wusste noch keiner was von FTD und wir waren abgestoßen von seinem Verhalten.
@ichbintraurig, du schreibst in deinem Bericht: Aber wenn ich die Schablone mit der FTD auflege, und ihn auch so behandele und ihn nicht überfordere, dann passt die Situation...., und dann wirds auch friedlicher....
So geht es mir auch mit meinem Mann. Ich muss sehen, dass ich ihn nicht überfordere, dann wir es besser. Nur in mir drinnen dreht sich die Seele um, wenn ich meinen Mann so sehe. Ich wünschte ich hätte mehr Geduld, aber ich empfinde das Verhalten meines Mannes oft als bedrohlich und beängstigend. Aber dann gibt es auch diese seltenen Momente, an denen er wieder zurück ist und ganz klar und planvoll denken kann. Ich bin so hin und hergerissen zwischen Hoffen und Bangen.
Ja, liebe Manou54, genau so sieht es aus, wenn frau ihren besten Freund verliert. Ich habe mir schon angelesen, dass es immer mal wieder gute Tage gibt mit Demenzkranken, aber diese werden dann immer mehr zur Ausnahme. Aktuell, nach dem Oster-Eklat, ist es bei uns wieder ruhig, fast harmonisch... Ich würde eine Diagnose auch sehr begrüßen und als Erleichterung empfinden. Es gibt auch die Idee, dass sich eben BEIDE auf Demenz testen lassen. Dieser Vorschlag könnte für uns vielleicht mal funktionieren. Ich muss mir ja immer mal wieder anhören, dass ich Dummes Zeug ohne Zusammenhang erzählen würde....., wobei ich es auch übe, einfacher zu sprechen und die Nebenthemen dann nicht anspreche. Liebe Gerlind, vielen Dank auch für deinen Beitrag weiter oben und für die anderen Beiträge, wo wir erfahren, dass eben nicht immer alles rund läuft.
Ich werde mich, auch nach Beratung mit meinen Kindern, jetzt darauf konzentrieren, Klarheit in meine/unsere Situation zu bringen und mich, sobald es etwas interessantes zu erzählen gibt, wieder melden!! <3
Hallo und einen guten Rest Sonntag noch,
haber gerade erst in das Forum geschaut, bin spät dran.
Bei mir und meinem Mann ist es ähnlich, erst war er der Koch , (selbst gewählt, da sonst kein Hobby, )fast 30 Jahre in 2. Ehe. Jetzt bin ich für alles zuständig auch für seine Fernbedienung sein TV, Mikrowelle usw. , Kontakte keine, er geht wochenlang nicht vor die Tür, liegt lange im Bett und meist nur Katzenwäsche.
Immerhin habe ich es geschafft, dass er seit ca. 6 Wochen Pflegegrad 2 hat. Diagnose Demenz haben wir nocht nicht , da er Arztbesuche fast immer ablehnt. Morgen kommt ein Pflegedienst zur Beratung, mal sehen ob das etwas bringt. Mein Mann wird wahrscheinlich nicht mitmachen. Heute ist er recht gut drauf, blättert zum x.Mal die gleichen Hefte durch.
Mal sehen wie es weiter geht.
Alles Gute
Adele
Hallo zusammen. Wir warten auch auf eine Diagnose ich habe enorme Angst davor. Wir führten gemeinsam unseren Betrieb und ich dachte am Anfang oftmals es ist der Stress. Er bekam vor 11 Jahren die Schilddrüse entfernt und dann vor einem Jahr ging er wegen konzentrationsproblemen zum Arzt. Aus Kommunikationsproblemen heraus nahm er über eine Zeit von 8 oder 9 Monaten eine zu hohe Dosis seines Medikamentes ein. Bekam diverse Problem Probleme u.a. Kognitive. Als die Dosis korrigiert wurde verschwanden alle Symptome die kognitiven schlimmer zu werden. MRT und EEG ohne Befund jetzt soll eine Lumbalpunktion ausgeführt werden. Alle Äüsserungen der Ärzte gehen in Richtung Demenz. Zwischenzeitlich hat er den Betrieb genau deshalb geschlossen. Ich weiß überhaupt nicht wie ich mit ihm umgehen kann. Er hat dich im Wesen verändert und gleichzeitig wieder nicht. Es gibt viele Dinge die er aus Unsicherheit nicht mehr macht er wirkt ohne jedes Selbstbewusstsein aber nicht aggressiv er ist manchmal traurig und hat auch schon ein paarmal geweint.
Hallo Pinguin und alle Anderen, die das hier lesen,
noch einmal: Wie schön, dass es dieses Forum gibt.
Ja, wie es es bei und weiter gegangen...
Da wir (erst) seit ca 15 Jahren verheiratet sind, könnte ich mir die Erfahrung, dass er schon immer mal, in großen Abständen, die Orientierung verloren hatte, mit dem Beginn der Alzheimer-Erkrankung erklären. Die neueste Entwicklung ist nun diese, dass meine beiden erwachsenen Stief"kinder", vergangenes Wochenende mal mit ihrem Vater gesprochen haben und ihm eine Vorsorgevollmacht und eine Abklärung beim Hausarzt empfohlen haben. Entsprechend gereizt ist mein Männe nun in die Woche gestartet und versucht jedem, besonders mir, sein gutes Gedächtnis zu beweisen... Die Wahrheit ist, dass sein Gedächtnis unvorhersehbar und in überraschenden Lücken ausfällt. Und wenn es ausfällt, dann ist die Situation eher putzig. Wirklich schwer ist für mich die Zusammenarbeit im Geschäft und die Planung von Gemeinschaft. Es ist, als ob er nicht mit dem Kopf(d.h. mit Vorerfahrung und Hochrechnen von Erfahrung) sondern mit dem Bauch-Gefühl denkt. Und das ist sehr problematisch, wenn mann ein Geschäft betreibt, so wie wir beide. Heute bin ich auch mal laut geworden und habe ihm gesagt, ich gebe es dir schriftlich, so würde ich es auch dem Arzt schildern: "Entweder bist du außerordentlich denkfaul, oder du leidest an einem unterdurchschnittlichen IQ, oder du bist an irgendeiner Form von Demenz erkrankt. Und das letzte könnte ich einigermaßen akzeptieren."
Außerdem habe ich eine Adresse im Internet entdeckt: "Frag einen Anwalt". Dort kann mensch für ein kleines Geld Rechtsauskunft, z. B. in geschäftlichen Fragen bekommen. Die Rechtsberatung des Alzheimer-Vebandes kümmert sich leider nur um Fragen der Pflege und so.
Ich wünsche euch allen das Beste,
Ichbintraurig