Demenz ist mehr als schwer und schrecklich - die Freude lebt weiter
Es ist gut und richtig, dass es hier einen geschützten Raum zum Jammern und Klagen gibt. Dieser Raum ist gut und wichtig. Aber unser Alltag besteht auch aus den schönen Momenten.
Ich musste lächeln, als mein Mann auf die Häuserblocks gegenüber schaut und sagt: „Da drauf muss eine Strasse.“ In mir ist sofort das Bild einer Strasse entstanden, die über die Häuserblocks geht.
Ich fand es interessant als Mann mit einem kleinen Kuscheltier spielt und sagt: „Ist das ein schönes Teufelszeug.“ Da haben wir beide über das Teufelszeug geredet.
Ich lächle, wenn er nach einer längeren Phase im Sitzen wieder liegt und sagt: „Ist das schön.“ Ich freue mich, wenn er nach dem Essen sagt: „Das hat so gut geschmeckt.“ Ich mag es, wenn ich mich für irgendeine Pflegehandlung über ihn beugen muss und er meine Haare streichelt.
Manchmal wünsche ich mir, ich kann in diesem Forum lesen, dass die Demenz nicht nur schreckliche Seiten hat. Wie geht es euch mit den kleinen Freuden?
Kommentare
Heute wieder so ein cooler Spruch zum Lachen. Ich wasche meinem Mann die Haare und schäume seinen Kopf ein. Da kommt der Satz: " So viel schöner Schnee." :-) Dann haben wir beide mit dem "Schnee" "gespielt".
Habe ne Frage an alle Mitbetroffene
Was macht ihr im Alltag?
Ergotherapie
Physiotherapie
Psychologen
Welche Unterstützung erhält ihr vom behandelnden Neurologen?
Danke
Ergotherapie mache ich selbst. Wir haben anfangs viele Ausflüge und Spaziergänge gemacht. Ich habe Erinnerungsalben. Mein Mann hatte viele Anreize durch die Tagespflege. Jetzt , bei fortgeschrittener Demenz gibt es andere Alben (je Seite nur 1 Bild und Text). Ich mache Fuß - und Handpflege als Wohlfühlpflege. Abends hört mein Mann gern Kinderschlaflieder. Die habe ich aufs Handy geladen. Die Musik wechselt auch. Ich leite ihn weiterhin zum Anziehen/Ausziehen , Essen an. Spiele gehen nicht. Er schaut gern "seine" Filme. Einmal wöchentlich kommt ein ehrenamtlicher Betreuer zur Zeitungsschau.
Neurologe hatten wir nicht, da war die Gedächtnissprechstunde. Das war einfach zu unserer Begleitung.
Physiotherapie hatten wir erst nach der Oberschenkelfraktur. Das hat mein Mann aber abgelehnt und die kommt jetzt nicht mehr. Er ist jetzt im Bett mobil. Ich lagere ihn zum Sitzen oder Liegen an und setze ihn regelmäßig an die Bettkante. Spiele nutzt er einfach zum "bauen".
Ich denke aber alles ist typabhängig. Mein Mann war auch früher eher der Ruhige, Zurückgezogene - im Urlaub hat ihm ein Sessel und ein Buch zum Lesen gereicht. Und handwerklich hatte er 2 linke Daumen.
so sah es heute aus, als ich vom Einkauf kam, Fersenschoner in kreativer Funktion
Hallo und Moin,
schön, dass es hier einen Platz für die schönen Momente im Leben mit einem von Demenz betroffenen Partner gibt. Und vielleicht ja auch ein Platz für schöne Momente für Betreuende und Pflegende mal ohne den Partner, für sich selbst, zum Kraft tanken. Kleine Freuden im Alltag die wieder aufbauen. Das so reiche Vogelgezwitscher beim Waldspaziergang war heute so ein schöner Moment für mich.
Danke Gerhild, für dieses Thema.
Es ist schon abends. Ich bin geschafft und glücklich. Der siebenjährige Enkel und die Töchter sind da. Die Große hat in den letzten Tagen viel geholfen.Ostern kann kommen! Heute abend ist mein Mann leicht durchgedreht. Ich gehe noch mal in sein Zimmer. Er ist komplett aufgedeckt. Sein Kommentar dazu: " Kannst du das mal bitte übersehen." :-)
Da muss ich gerade an was denken: als mein Mann (im Heim lebend) letztes Jahr wieder begutachtet wurde (geschützte Unterbringung), wurde versucht, ein Gespräch zu führen. Er spricht fast nicht mehr. Auf die Frage: „Wie ist es denn hier?“ kam aber die Antwort: „Der blanke Wahnsinn.“ Da war der Gutachter sprachlos. Danach war mein Mann wieder in seiner Welt und hat alles ignoriert und hat wieder seine Runden gedreht.
Mir wurde das dann berichtet und ich habe gelacht. Da war er kurz da: mein Mann, der immer coole Sprüche rausgehauen hat.
Hallo Heike, ich glaube unsere Männer müssten ungefähr gleich alt sein und relativ gleich die Diagnose erhalten haben. Mein Mann ist jetzt 66 und die Diagnose war 2022. Ich schaffe es noch zu Hause, weil er inzwischen im Bett liegt und nicht mehr laufen will. Aber das was du schreibst ist genau das was mich lächeln lässt: die coolen Sprüche aus dem Nichts.
Vielen, lieben Dank für Eure Beiträge - leider hier nicht witzig oder humorvoll - aber ich liebe meine Eltern dennoch und versuche, dass ich nicht zu negativ bin und dass sie irgendwie noch Freude haben.
Hallo Mira, Pflege ohne Humor ist kaum vorstellbar. Humor ist Ventil, schafft Leichtigkeit und ist Kraftquelle. Vieles ist so absurd, dass es nur mit Humor zu nehmen ist. Lachen ist Therapie. Aber man muss auch offen sein dafür.
Wenn mein Mann Quatsch redet, rede ich auch Quatsch.
Wenn er mir die Bettdecke nicht gibt, wenn ich die pants wechseln will, behält er sie in der Hand und wir machen eine Kuschelkugel daraus.
Wenn er das Buch in die pants vor den Penis legt, wundern wir uns beide, wie das Buch dahin kommt.
Lachen macht das Leben leichter.
Super - super - super - hier redet keiiner mehr.... aber super - weiter so - Euch allen viel Humor
Hallo und Moin,
für mich ist es schön hier zu lesen, dass man mit Demenz auch anders umgehen kann. @Gerhild, du hast das toll für dich und deinen Mann auf die Reihe bekommen. Das kann sicher nicht jeder, aber mal schauen bzw. lesen wie andere mit der Krankheit des Partners umgehen, macht auch Mut. Und wenn es nur ein kleines bisschen Leichtigkeit ist, was man in die Betreuung mit einbringt. Wenn man sieht, es tut beiden gut, dann ist man doch auf einem guten Weg.
ich versteh das nicht, ist das ironisch ,sarkastisch oder frustriert gemeint?
Nein - bei meinen Eltern kann man nicht so reden - sie verstehen überhaupt nichts mehr - sehr krank leider schon.
Aber super, wenn Ihr das so macht.
Herzlichst, Mira