Mein Vater hat jetzt Alzheimer und Krebs
Guten Abend, ich hoffe jemand liesst meine Nachricht und kann eventuell antworten: mein Vater (85) kam nach seiner Op mit Delir in die geschlossen Psychiatrie. Dann die Diagnose nachdem es ihm besser ging: Alzheimer. Ab da an ging alles sehr schnell schlechter. Nun ist er seit 7 Wochen dort. Meine Mama war fast 5 Wochen jeden Tag dort - sie ist am Ende. Denn nun kann er nicht mehr Entlassen werden. Inkontinenz und starke Desorientierungen kamen in den letzten Wochen dazu. Alles geht so schnell. Meine Mama (73) hat keine Kraft mehr und kann ihn nicht mehr besuchen und ich hinke emotional noch hinterher. Nun bin ich manchmal 2x manchmal 3x manchmal 0x pro Woche meinen Papa besuchen neben meinen Anrufen. Mir geht es so schlecht denn auch ich leide und komme an meine Grenzen. Mein Papa will am liebsten, dass ich ihn jeden Tag besuchen komme - er will mich auch wenn ich da bin oft nicht gehen lassen. Es bricht mir das Herz. Nun soll er ins Heim aber das dauert wohl noch. Er ist nun nach Absetzung des Resperidons etwas klarer und merkt dass mit ihm was nicht stimmt aber dann vergisst er auch schon alles wieder. Er ist jetzt depressiv und der Krebs soll Palliativ behandelt werden. Meine Frage: wie oft soll ich, kann ich, ihn wirklich besuchen ohne ihn im Stich zu lassen und ohne mich selber zu verlieren? Ich bin so fertig. Denn die Situation ist heftig. Ich brauche immer fast 3 Tage um mich von einem letzten Besuch zu erholen. Wie oft ist es gut zu besuchen, obwohl der Papa vergisst nach einem Tag dass ich da war….?
Kommentare
Die Situation ist schwierig. Aber du kannst nur so viel Energie geben, wie du auch hast. Wenn du ihn gut versorgt weißt, würde ich ihn vielleicht nur 1x in der Woche besuchen. Du brauchst deine Kraft für das Leben hier draußen. Es macht keinen Sinn, wenn du dich aufbrauchst und nicht mehr für deine Mutter und dich da sein kannst. Aber letztendlich muss dein Bauchgefühl entscheiden. Aber ich kenn das, als mein Mann im Krankenhaus war, war ich anfangs jeden Tag da. Dann wusste ich die Pflege läuft nicht optimal, aber so gut es die Pflegekräfte können. Und ich wusste, ich muss Kraft tanken und das geht nur außerhalb der Demenz.
Lieben Dank Gerhild, vielen Dank für die Antwort. Es hilft ein wenig. Was mich als Angehörige so „fertig macht“ ist der Gedanke: „was wenn er wieder klar denkt (und das macht er ja öfters am Tag) und dann sich alleine fühlt? Was wenn er nach uns fragt und keiner Kommt ihn aktuell besuchen?! Was wenn ER sich im Stich gelassen fühlt? Frage: fühlen denn Alzheimerkranke so etwas noch tiefgehend? Werden sie wenn sie merken sie sind alleine wohlmöglich noch depressiver und noch kränker? Vermissen sie uns als Angehörige? Oder vergessen sie vieles und sind in ihrer eigenen Welt wenn WIR als Angehörige eventuell seltener kommen? Ich bin so verzweifelt und so gestresst von meinen Fragen. …
Mein Mann hat Alzheimer. Ja, er fühlt ganz viel. Was, das kann ich nur vermuten. Was passiert , wenn sie ins Heim kommen ist unterschiedlich. Bei meinem Mann war jede Kurzzeitpflege anders. Mal ist er geblieben. Mal ist er abgehauen. Wenn er nachfragt, war das ja auch nur für den Moment oder für viele Momente die gleiche Frage.
Und ja , es kann passieren , dass sie depressiver werden. Die Krankheit schreitet aber sowieso voran. Du hast viele Fragen, wenn du magst , benatworte ich demnächst noch mehr. Die Frage ist, wie geht deine Mutter damit um. Das andere - mir hat die Selbsthilfegruppe geholfen, vielleicht gibt es so etwas bei euch auch.
Vielen Dank Gerhild! Meine Mama blockt grad ab - eventuell Selbstschutz. Sie kann meinen Papa grad nicht besuchen. Als wäre sie distanziert. Aber vielleicht ist das ihre eigene Art mit dem Schmerz umzugehen. Seit den letzten 2 Wochen wo wir wissen dass er nicht mehr nach hause lommen wird, war sie nur 2 mal in der Klinik. Sie macht sich eher Sorgen um mich da ich so oft zu meinem Vater gehe um zu verstehen - was nicht zu verstehen ist.
Selbsthilfegruppe klingt gut. Ich wäre soweit. Wo hast du diese gemacht? Online oder in einer Institution?
Ich kann deine Mutter etwas verstehen. "Diese Typen" hauen aus der Ehe ab, ohne Tschüß zu sagen. Sie sind da und doch nicht da. Wir trauern schon jetzt, ohne , dass der Partner gestorben ist.
Ich habe vielleicht den Vorteil, dass mein Mann als Altenpfleger gearbeitet hat und ich als Krankenschwester 10 Jahre auch in der Altenpflege war. Ich wollte da nicht mehr arbeiten, aber es hilft mir jetzt. Krankheit, Sterben und Trauern sind für mich Bestandteile des Lebens.
Selbsthilfegruppe ist das hier für mich. Es gibt aber auch bei facebook Gruppen. Und ich habe das Glück, dass sich hier in der Nähe eine Gruppe trifft. Die Anzahl der Menschen ist zwar sehr schwankend und außer mir kommen nur 2 ältere Frauen regelmäßig. Aber alle haben die gleichen Probleme.
Liebe Gerhild, kann gut verstehen dass deine Vergangen dich „geschult“ hat. Wie lange hat dein Mann schon Alzheimer und wo lebt er aktuell? Wollen wir uns eventuell privat austauschen? Wie du magst. Ich finde es aufjedenfall gut, dass wir uns grad schreiben. Ich glaube dieser Austausch ist ganz wichtig und hilft.
Mein Mann hat seine Diagnose im Herbst 2022 bekommen. Ich pflege immer noch zu Hause. Aber das liegt daran, dass alle Ersparnisse weg sind, wenn ich ihn ins Heim gebe. Eigentlich wollte ich von diesem Geld noch in meiner Rente leben und diese ist erst in 3 Jahren.
Vielleicht kann ich Dir ein wenig Besorgnis bezüglich Deines schlechten Gewissens, wenn Du die Besuche auf ein Minimum reduzierst, nehmen.
Als ich letztes Jahr nach 4 Wochen Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause kam, sah mich mein Mann an, als käme ich gerade vom Einkaufen . Mein Sohn sagte mir dann, er hätte die erste Woche ständig, die zweite Woche nur ein paar Mal und danach überhaupt nicht mehr nach mir gefragt.
Meine Freundin - sie arbeitet in einem Pflegeheim - sagte mir mal, daß Demenzkranke wie hinter einem Vorhang leben. Ab und zu geht dieser für ein paar Momente auf und sie sehen etwas klarer. Diese Momente werden mit zunehmender Krankheit immer seltener.
Könntest Du Dir nicht zusammen mit Deiner Mutter eine Woche Auszeit nehmen und irgendwohin fahren, um Kraft und Erholung zu tanken?
Gruß Ginei
Ich habe das vor 2 Jahren gemacht. Ich habe zwar den Dementen mitnehmen müssen. Aber ich habe einfach ein Quartier gesucht, welches mit der Bahn erreichbar war. Ich wollte mich nicht auf die Fahrt konzentrieren müssen. Ich habe mir ein Taxi von und zum Bahnhof gegönnt. Und wir hatten ein Hotel mit Vollverpflegung gebucht. Es war eine Woche herrlich entspannend.
Ich habe fest vor, demnächst eine Woche 'Auszeit' zu nehmen - von meinen Söhnen angeregt. Ich hoffe nur, daß ich eine meiner Freundinnen bewegen kann, mit mir zu fahren. Ich war nie eine Single-Urlauberin.
Denn auch wenn ich (noch nicht) so große Probleme habe wie hier im Forum zu lesen ist, bin auch ich oft am Limit. Besonders schlimm ist es, wenn mein Mann von der Tagespflege kommt. Man sollte meinen, er ist froh, daß er 'Feierabend' hat. Das Gegenteil ist der Fall. Er erwartet von mir, daß ich nahtlos die Beschäftigungs-Therapie fortführe. Dabei geht nichts mehr - außer Fernsehen. Also läuft er mit einem grimmigen Gesicht und Vorwürfen gegen mich immer hinter mir her. Oder er macht permanent die Haus- und Terrassentür zu, die ich gerade geöffnet hatte, um abends ein wenig kühle Luft reinzulassen. Dafür öffnet er laufend das Garagentor (ist leider nicht abzuschließen) und das Gartentor.
Mit Gruß
Ginei
Das kommt mir bekannt vor mit dem „Grimmigsein“. Beim letzten besuch vor ein paar Tagen in der Psychatrie, war mein Vater auch ab und zu ruppig, weil er anscheinend nicht das bekommen hat, was er wollte. Ich sollte seinen Rücken massieren, aber alles war nicht richtig, wie ich es gemacht habe, und da war er ruppig und auch als ich versucht Ihm die Dinge aufzählen, die wir an dem Tag gemacht haben, um ihm rückwirkend zu zeigen wir „schön“ doch der Tag war, war er auch ruppig. Ich sollte es nicht aufzählen. Eventuell konnte er den Aufzählungen nicht folgen. Ich war fast 3 Stunden da und durfte nicht von seiner Seite weichen. Das hat sehr viel Energie gekostet. Ich musste ihm sogar - und das war so außergewöhnlich - bis auf die Toilette begleiten und sollte warten, bis er auf dem Toilettendeckel sitzt! Könnt ihr euch das vorstellen?! Das wäre bei meinem Vater niemals vorher möglich gewesen - er hat immer die Toilette abgeschlossen. Der Toilettenbereich war immer ein „heiliger“ Raum. Die Idee mit der Auszeit ist gut, wenn da nur nicht, wie immer, auch wenn es nicht begründet ist, das schlechte Gewissen wäre ihn Besuchen gehen zu müssen. Habe ich ihn seit vier Tagen nicht angerufen und das schlimme ist, dass es mir jetzt ein bisschen besser geht. Ich kann mich gerade erholen aber ist das nicht eine seltsame Lösung für ein selber? die Distanz?
Distanz ist eine gute Lösung. Erst in der Distanz kommt manchmal Ruhe, Kraft und ein neuer Blick. Wenn ich nicht zurück trete, merke ich, dass ich in der Welt der Demenz gefangen bin. Ich kann in diese Welt gern zu Besuch gehen, das ist es was ich will.
Mir wird gerade klar, dass ich meine Batterie nicht genug aufladen kann, wenn ich nicht raus gehe zum Aufladen. Und oft verpasse ich den Zeitpunkt und der Akku ist komplett runter und braucht noch länger zum Aufladen.
Demenzkranken brauchen wir oft nicht aufzählen was schön war. Ihr Leben ist meistens im Augenblick. Da habe ich schon manche Träne vergossen, aber mit der Zeit ist es leichter geworden.
hab dir eine PN geschickt, schau mal rechts oben im Forum, wo der Briefumschlag ist