Aphasie

Hallo, ihr lieben Mitbetroffenen,

seit einiger Zeit weiß ich nicht mehr weiter. Mein Mann (Pflegestufe 3, Übergang von mittlerer zur schweren Demenz) ist seit Jahren von Aphasie betroffen. Das heißt, er kann kaum sprechen, versteht mittlerweile auch kaum, was man zu ihm sagt. Die "sozialen Reflexe" funktionieren noch. Das heißt, er kann einen Gruß erwidern, nicken, lächeln. Aber er kann auf keine Frage antworten, weder sagen, wie es ihm geht, noch was er braucht. Ich kommuniziere mit ihm in einem System von Zeichensprache und Zwei- bis Dreiwortsätzen. Und ich bin jetzt an einem Punkt, wo ich einknicke. Ich möchte einmal wieder in vollständigen Sätzen kommunizieren, mich austauschen, leben. Der ganze andere Kram in der Pflege schlaucht, aber das schaffe ich schon, ich habe meinen Mann von Herzen lieb. Nur diese Sprachlosigkeit, die beginnt, mich krank zu machen. Ich habe liebe Freundinnen. Mit ihnen kann ich reden. Das sind Highlights hin und wieder. Aber es ist der stumme Alltag, der mir die Luft nimmt ...

Kommentare

  • Du formulierst es so richtig - der stumme Alltag nimmt die Luft. Ich lebe jetzt ein Jahr mit dieser Stummheit.

    Mehrere Wege haben sich entwickelt.

    Der eine ist eine veränderte Kommunikation , hier drinnen, mit meinem Mann, die ganz viel über Gefühle läuft. Ich glaube aber, er macht es mir meistens leicht, weil seine Liebe zu mir immer groß war. Ich stelle keine Erwartungen mehr. Ich lasse ihn in seiner Welt.

    Der andere Weg ist die Kommunikation nach außen. Ich schreibe vieles für mich auf (es gibt auch monatelang Pause). Ich versuche in Foren meine Gedanken aufzuschreiben (da muss ich aufpassen, dass die Geschichten der anderen mich nicht überrollen).

    Ich telefoniere viel mehr mit Freundinnen oder meiner Familie. Und es ist gut, wenn die mal nichts über Pflege erzählen. Es gibt ja noch ein Leben da draußen.

    Und manchmal fange ich an, die Stille zu genießen. Ich lese,höre Hörbuch und schreibe.

    Aber es ist immer noch verdammt schwer, dass derjenige da ist und dennoch geht.

  • Danke, liebe Gerhild. Es tut gut, auf Menschen zu treffen, die Verständnis haben. Und noch dazu, aus eigenem Erleben. Du hast recht, es ist so wichtig, wieder ein Stück Normalität einzufangen, auch wenn es vielleicht Banalitäten sind über die man mit Freundinnen spricht . Ich schreibe auch viel, das sortiert die Gedanken. Dein letzter Satz hat mich berührt: "Es ist immer noch verdammt schwer, dass derjenige da ist und dennoch geht. " An die Erfahrung kann ich mich so schwer gewöhnen. Ich sehe in sein Gesicht, die Augen sind offen, sein Blick geht in meine Richtung, aber der Blick ist leer. Er war ein so lebhafter, vor Ideen sprühender Mann...

    Ich wünsche dir einen entspannten Abend und sende dir liebe Grüße

    Constanze

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