Umgang mit dementen Ehemann
Hallo liebe Betroffene,
ich habe mich gerade in diesem Forum angemeldet in der Hoffnung, einige Ratschläge zu erhalten, wie ich es schaffe, ohne - milde ausgedrückt - unwirsch und ungerecht mit meinem dementen Mann (Pflegestufe 3) umzugehen, obwohl mir bewusst ist, daß er nicht er selbst ist. Auch die Ratschläge meiner Söhne, ich solle versuchen, gelassener zu sein, helfen nicht wirklich. Habe es sogar mit einem Mantra versucht (*;*).
Vielleicht liegt es auch daran, daß ich körperlich ziemlich angeschlagen bin. Aber erschwerend ist, daß mein Mann ziemlich uneinsichtig und stur ist, was die Dinge des täglichen Lebens betrifft , selbst, wenn ich ihn freundlich bitte. (Körperpflege, passende Kleidung usw. usw.) Meistens ignoriert er mich. Liebend gern legt er sich abends mit der Tageskleidung schlafen, obwohl er vorher schon im Schlafanzug war. Ganz zu schweigen von den 'widersinnigsten' 'Tätigkeiten', die er ausübt.
Aber was mir am meisten zu schaffen macht ist, daß er kaum mit mir spricht und ich ganz selten eine Antwort bekomme, wenn ich etwas frage bzw. sage.
Ich weiß, daß jeder Angehörige diese Probleme hat, hoffe dennoch auf Antwort(en), wie ich diese besser bewältigen kann.
Ganz lieben Dank im Voraus.
Ginei

Kommentare
Ich kenne alles, was du schreibst. Nur das mit dem Mantra habe ich nicht versucht :-).
Körperpflege war/ ist auch bei uns das große Thema. Was bei uns geholfen hat, war duschen, da hat er sich freiwillig komplett ausgezogen und ich konnte den Kleiderwechsel machen. Um am Abend kein Wechsel in andere Kleidung zu haben, habe ich alle Kleidung weggelegt. witzigerweise ist er nicht an den Kleiderschrank gegangen. Er hat nur das genommen, was draußen lag. Ich habe ihn allerdings auch in Tageskleidung schlafen lassen. Wenns mich gestört hat, bin ich aufs Sofa umgezogen und habe dort geschlafen.
Was mich etwas entlastet hat, war die Tagespflege. So wusste ich ihn versorgt und konnte in Ruhe meins machen.
Im Lauf der Jahre habe ich gelernt, mit der mangelnden/veränderten Kommunikation umzugehen. Das ist ein schwerer Weg, wenn man merkt, der den man liebt geht so einfach ohne Abschied aus der Ehe/ Beziehung. Ich wusste: er kann nicht antworten, er versteht mich nicht.
Ich habe gelernt, meine Kommunikation zu verändern und demenzgerechter zu sprechen. Vieles habe ich einfach entschieden, ohne zu fragen. Keine W- Fragen stellen (was möchtst du machen) sondern die Entscheidung zwischen 2 Dingen treffen lassen (drin bleiben oder raus gehen). Selbst das geht dann verloren. Vorallem Zeit lassen. ( Das sage ich - die geborene Hektikerin). Eines fiel mir leicht: herausforderndes Verhalten nie persönlich nehmen.
Hallo Ginei, schön, dass du hierher gefunden hast. Falls du nicht alle meine post lesen willst: mein Mann war 62 als er die Diagnose bekam. Damals gab es PG 2 . Jetzt ist er 66 und hat PG 5. Hinter mir liegt, wie bei vielen andern hier auch, ein Weg voller schmerzvoller,trauriger, liebevoller und schöner Erfahrungen, der immer noch nicht zu Ende ist.
Hallo Gerhild,
vielen Dank für Deine Antwort, der ich entnommen habe, daß Du einen guten Weg gefunden hast, mit der Problematik umzugehen - im Gegensatz zu mir. Dabei hatte ich genügend Zeit zu 'lernen', denn die Diagnose bekamen wir bereits 1919.
Die ersten Jahre waren auch problemlos. Aber dann ging es rapide bergab. Dennoch war ich relativ entspannt, da ich mir immer meine 'Auszeit' nehmen konnte. Habe mindestens 3x die Woche Tennis/Badminton gespielt.. Bis mich eine 'Polyneuropathie' heimsuchte und Sport, Fahrradfahren, Spaziergänge usw. von einem auf den anderen Tag Vergangenheit waren. Das hat meiner Psyche nicht gerade gut getan und ich deshalb vielleicht oft unangemessen auf meinen Mann reagiere, obwohl ich mich täglich bemühe.
Mein Sohn meinte einmal, daß es vielleicht möglich sei, daß mich mein Mann unbewusst für seinen 'Zustand' verantwortlich macht, weil er gegenüber anderen Leuten (Freunde und Bekannte) sehr freundlich ist - im Gegensatz zu mir. Wer weiß?
Darf ich fragen, wo Du wohnst? Wir wohnen in Hamburg.
Ich würde mich auf eine weitere Diskussion mit Dir freuen.
Mit besten Grüßen
Ginei
Hallo Ginei!
Ich könnte mir vorstellen, dass es bei deinem Mann ( zu anderen sehr freundlich,zu dir oft nicht..) so ähnlich wie bei kleinen Kindern ist. Bei anderen Menschen benehmen sie sich meistens vorbildlich, zu Hause nicht. Weil sie wissen, dass sie die Liebe der Eltern niemals verlieren werden...
Ist aber trotzdem sehr schwer auszuhalten.
LG Sabine
Für mich steht hier gerade eine Frage, die so nicht gestellt wurde. Wie habe ich meinen Weg gefunden. Ich habe mir vor einiger Zeit mal durchgelesen, was ich in einer anderen Gruppe geschrieben habe. Was hat mein Mann mich genervt, gereizt, zum Verzweifeln gebracht. Für mich war am Beginn die Diagnose die völlige Erleichterung. Mir war völlig klar, was mich erwarten könnte. Ich trete nicht gegen die Demenz an. Da werde ich nur verlieren.
Dazu muss man sagen, dass ich in einem meiner Berufsleben als Krankenschwester 2 Jahre in einer Demenz - WG gearbeitet habe. Wollte ich damals nicht, hat sich so ergeben. Und ich bin da raus, weil ich nichts mehr mit Demenz zu tun haben wollte. Diese Zeit war fast 15 Jahre vor der Diagnose.
Ich habe von Anfang an nie groß versucht, meinen Mann in die Realität zurück zu holen. Und ich habe viele Hilfsmaßnahmen genutzt: Betreuung, ambulanten Dienst, Kurzzeitpflege. Ich habe nie meinen Mann gefragt, ob er das will. Ich muss überleben und wenn ich das will, geht das nur , wenn ich lerne abzugeben.
Bei uns war es auch so, dass mein Mann zu mir etwas sehr unfreundlich war. Ich bin dem einfach mit Humor gegenüber getreten. Die Unfreundlichkeit entsteht aus der Angst heraus. Der Demente weiß, dass er seinen Verstand verliert. Er weiß nicht, warum wir Dinge wollen.
Hallo Gerhild,
danke für Deine Antwort. Ich ziehe großen Nutzen daraus, was den Umgang mit den Problemen betrifft. Ich werde sie mir einfach des Öfteren ansehen, bevor ich wieder einmal falsch agiere bzw. reagiere.
Deshalb würde ich gerne Deine vorherigen Beiträge lesen. Weiß aber nicht, wo Du sie gepostest hast. Kannst Du mir die Gruppe nennen?
Zur Diagnose: Mich hat sie nicht überrascht. Ich war bereits vor der ersten Untersuchung durch eine Neurologin sicher. Zu viele 'weiß ich nicht' und 'wer war das' ( bei langjährigen Bekannten).
Darf ich fragen, wie Deine jetzige Situation aussieht?
Alles Gute und lieben Gruß
Ginwi
Hallo Gerhild, hallo Ginei, liebe Mitbetroffenen,
vielen Dank für eure sehr nützlichen Beiträge, offenen und ehrlichen Kommentare. Ich bin sehr dankbar dafür. Auch ich profitiere im Umgang mit meinem Ehemann 68 J. von deinen langjährigen , auch fachlichen Erfahrungen liebe Gerhild, kann in den Alltag einiges mitnehmen, integrieren. Habe vieles schon still mitgelesen.
Etliche Vorträge besuchte ich zum Thema, oft viel zu theoretisch. Hier im Forum ist der unmittelbare Austausch mit Betroffenen ein ganz anderer. Man fühlt sich einfach verstanden und mit seinen Problemen angenommen, denn im realen Leben kenne ich kein Paar, welches sich mit diesen Herausforderungen im frühen beginnenden Rentenalter auseinandersetzen muss. Ich stoße leider oft auf Ungläubigkeit oder noch schlimmer Mitleid.
Die endgültige Diagnosemitteilung im Februar war ebenfalls für mich pure Erleichterung, nachdem es vor fünf Jahren mit 63 , schon erste Auffälligkeiten im Uhrentest bei einer Neurologin bzw. Probleme in der Merkfähigkeit ,Konzentration und im Sozialverhalten gab. Beruflich wurde es dann folglich auch immer kritischer, da mein Mann wichtige Unterlagen verlegte, diese oft nicht wiederfand, seine Mitarbeiter beschuldigte oder Termine vergaß. Gott sei Dank, ging er dann bald in die passive Altersteilzeit.
Für meinen Mann, der sich leider bis dato einer weiteren Diagnostik verweigerte, sitzt der Schock tief. Seine schlimmsten Befürchtungen sind nun eingetroffen, erkrankt an Alzheimer Demenz, wie sein verstorbener Vater, den er jahrelang begleitete.
Ich kann ihm diesen Schmerz der Diagnose nicht nehmen, nur zuhören, wenn er seine todtraurigen Gefühle in Worte fassen möchte und für ihn da sein, wenn er es zulässt. Leider reagiert mein Mann in seiner Verarbeitung häufig depressiv, zieht sich noch mehr zurück und weint phasenweise viel, trotz Antidepressiva oder wird aggressiv, ungehalten, verletzend und unfreundlich zu mir, zeigt herausforderndes Verhalten, gibt mir die Schuld an seinem Schicksal, ähnlich wie bei dir, liebe Ginei.
Mittlerweile habe ich im Umgang mit ihm gelernt, mich nicht aus der Reserve locken zu lassen, bleibe geduldig und freundlich, denn er weiß, kann es ja nicht anders, zeigt so seine Ängste. Das beruhigt ihn wiederum.
An besonders schwierigen Tagen, wenn er so gar nicht ansprech- und motivierbar ist, dann ziehe ich Kraft und Energie aus schönen Momenten, unternehme etwas für mich oder mit einer Freundin. Noch kann ich ihn stundenweise alleine lassen, aber es wird zunehmend schwieriger. Muss mir dann zukünftig etwas einfallen lassen, eventuell Tagespflege , denn meine Auszeiten brauche ich.
Meine größte Aufgabe im Alltag ist, nicht gegen die Demenz anzutreten.....DANKE Gerhild.
Ständig bin ich auf der Suche nach Gestaltungs und Fördermöglichkeiten, die ich meinem Mann anbiete mit dem Gedanken, der Sorge nichts zu verpassen, um seine, unsere Lebensqualität weiter zu verbessern, die fortschreitende Demenzerkrankung zeitlich nach hinten zu ziehen, so wie es auch die behandelnden Ärzte empfehlen.....doch mein Mann verweigert und verweigert und verweigert sich ........das auszuhalten, sein Autonomiegefühl, seine Selbstbestimmung in der Erkrankung zu respektieren, selbst wenn er den ganzen Tag nur "untätig" auf seinem Sessel sitzt, sich in seiner Welt befindet, ist meine größte Herausforderung........der oft beschriebene schmerzvolle Weg der Akzeptanz, der leise Abschied aus unserer Ehe, mir kommen die Tränen.
Lieben Gruß, danke für das Lesen und viel Kraft euch!
Hallo Ginei , es ist viel einfacher. Die Kommentare sind alle hier geschrieben. Du musst nur irgendwo in den Kommentaren von mir auf meinen Namen klicken. Dann kannst meine Kommentare alle lesen.
Hallo rosarot,
Je mehr Beiträge ich lese, je mehr stelle ich fest, wie vielschichtig die Auswirkungen der Demenz ist , was - abgesehen von den 'typischen' Symptomen - sicherlich an der Individualität eines jeden liegt.
Besonders hilfreich für mich sind die Beiträge, in denen ich mich wiedererkenne und werde versuchen, mir die eine oder andere 'Vorgehensweise' anzueignen - vorrangig mehr Gelassenheit. Und - ich gebe es zu - ich muss dringend lernen, besser zu verstehen, was die Krankheit mit meinen Mann macht, damit es nicht soweit kommt, dass schlimme Gefühle die Oberhand gewinnen.
Ich bin jedenfalls sehr froh, diesem Forum beigetreten zu sein.
LG Ginei
Hallo Ginei,
vielen Dank für deine Antwort!
Ich denke, dass auch die schlimmen Gefühle an manchen Tagen durchaus ihre Berechtigung haben, wir diese zulassen müssen, auch wenn man sie unterdrücken möchte. Wir können nicht immer nur geduldig, nachsichtig, freundlich und gelassen reagieren.
Auch wenn ich meinen Mann liebevoll in seiner Erkrankung begleiten möchte, so komme ich manchesmal an meine psychischen Grenzen, weil ich im Umgang mit seiner Erkrankung, den Auswirkungen und Symptomen nicht immer situativ umzugehen weiß, dann überkommt mich Wut und Trauer, Hilflosigkeit!
Mir hilft dann die Tatsache, dass ich nicht alleine damit bin und hier im Forum Hilfe und Unterstützung jeglicher Art suchen kann, Informationen, Austausch mit betroffenen Angehörigen finde.
Alles braucht seine Zeit, in , mit dieser herausfordernden Erkrankung zu wachsen!
LG Rosarot
Hallo Gerhild,
habe mit großem Interesse und auch mit Bestürzung die Tagebucheinträge gelesen, und ich weiß nicht, ob ich diesen Anhäufungen von Problemen gewachsen sein werde, sollte sich unsere Situation ähnlich entwickeln - Spruch 'Man wächst mit den Aufgaben' hin oder her.
Auch, wenn ich bei mir feststelle, daß ich 'Fortschritte' mache. Sehr hilft mir 'Ich kämpfe nicht gegen die Demenz, weil ich verlieren werde' .
Woran ich allerdings immer noch verzweifel, weil ich ihn nicht überzeugen kann, sie zu unterlassen, sind Angewohnheiten (?), die ich einfach nicht akzeptieren kann und will.
Z.B. geht er mit Vorliebe in Unterhose bis zu unserem Gartentor, wenn das Wetter es zulässt. Da er des öfteren rein- und rausgeht, achte ich natürlich nicht immer darauf, da sein 'Ausflug' bisher dort endet.
Oder er legt ständig sein gerade benutztes Taschentuch auf den Tisch, wenn wir gerade essen.
Und, was mich wirklich wütend macht: Er zieht nie seine Hosen runter, wenn er auf die Toilette muss, sondern erleichtert sich 'drüber weg' mit dem Resultat, dass jedes Mal was in die Hose geht.
Einziger Kommentar auf meine Versuche, das zu ändern: "Interessiert mich nicht".
Also mache ich natürlich den Fehler:
Ich brülle - leider.
LG Ginei
Liebe Ginei - wie oft habe ich gebrüllt, korrigiert und die Türen geknallt. Wir sind aber jetzt im Jahr 4 nach der Diagnose. Meine Rettung war die Tagespflege. Und das Tolle war wirklich der Urlaub mit Demenzbetreuung.
Momentan geht es ruhiger, weil mein Mann bettlägerig ist. Ich genieße immer noch ein Bad in dem keine "Pinkelspuren" zu sehen sind. Ich genieße Dinge die da sind, wo ich sie hingelegt habe und niemand hat sie an einen anderen Platz gelegt. Ich kann Zimmertüren wieder unverschlossen lassen. Nachteil: Ich kann nicht einfach mal weg, wenn es mehr als 4 Stunden sind.
Hallo liebe Angehörige!
Geht ihr eigentlich zur Psychotherapie und falls ja,hilft es euch? Hier wird es ja auch immer schwieriger. Besonders quält es mich , dass mein Mann ganz oft vor sich hinflüstert. Wenn ich frage was er gesagt hat ( ich würde ihn doch so gerne verstehen ,um zu wissen was in ihm vorgeht ) sagt er nur 'nichts ' und ich befürchte er merkt wirklich nicht das er vor sich hinredet. Aber da er sonst nicht viel sagt, ihm fällt es auch immer schwerer Worte zu finden, belastet mich dieses Verhalten besonders.
LG sendet Sabine
Hallo Sabine, die Antwort für mich lautet 'Nein'. Ich habe erstens genug Arzt-Termine für mich und meinen Mann und zweitens denke ich, daß mir damit auch nicht viel geholfen werden kann,da es ja keine 100%ige Lösung der Probleme gibt.
Ich hole mir die Hilfe aus den verschiedenen Beiträgen hier im Forum. Das hilft mir sehr. Und ich lass es auch jetzt zu, dass ich manchmal 'ausflippe'. Das ist sogar befreiend,zumal es ja sowieso keine Resonanz erzielt.
Zum Thema 'Unterhaltung' sieht es bei uns so aus, daß meine Mann von sich aus kaum mit mir spricht, außer 'wann gibt's was zum Essen? Ich stelle auch nur noch Fragen, auf die er mit Ja oder Nein antworten kann - wenn ich 'Glück' habe.
Ich glaube auch nicht, daß er pausenlos Hunger hat. Es ist m.E. für ihn eine Beschäftigung, da er sonst - außer Fernsehen und im Haus umherlaufen (meistens hinter mir her) keine Beschäftigung mehr hat. Allerdings meint er manchmal,daß er aufräumen muss. Dann suche ich!
LG und schönes WE
Ginei
Hallo Sabine, wenn ich hier einen Therapieplatz bekommen würde, würde ich ihn sofort nehmen. Bisher war aber die Suche ergebnislos.
Ich habe bereits vor 10 Jahren nach einer Depression Tagesklinik, eine Langzeittherapie und eine Reha hinter mir. Und es hat mir geholfen. Aber ich wusste auch, dass ich Hilfe brauche. Am hilfreichsten war die ambulante Therapie. Aber ich wusste auch, dass ich was ändern muss und will. Und es hat sehr beim Gedanken sortieren geholfen. Mir ist der Partner weggebrochen, mit dem ich Dinge besprochen habe. Und es gibt ja neben der Pflege auch noch einige andere Dinge, die uns passieren und begegnen. Da fehlt mir manchmal das Reflektieren.
Aber ich kann auch Ginei verstehen, die sagt, ich habe genug Arzttermine. Die habe ich momentan kaum. Zuvor war es echt so, dass ich mit meinem Mann so viele Termine hatte, dass noch etwas zu viel geworden wäre. Und auch für mich ist das Lesen in Foren sehr hilfreich, um zu sehen, wie geht es anderen.
Hallo liebe Angehörige,
ich habe vor einiger Zeit 2 Alexa-Boxen von meinem Sohn bekommen. Die eine stand nun schon länger 'rum. Da hatte er die Idee, sie in das Zimmer meines Mannes zu stellen. Es war eine gute Idee.
Wann immer es anfängt, problematisch zu werden, frage ich ihn, ob er nicht gemütlich im Sessel seines Zimmers - oder abends im Bett - Musik hören möchte. Meistens klappt es. Im Moment steht er auf Marschmusik - manchmal marschiert er auch durch sein Zimmer. Oder er singt die alten Volkslieder mit, wenn ich sie aufrufe.
Das Tolle an Alexa ist, daß man Musik nach eigenen Wünschen bzw. auch Radio-Sender abrufen kann.
Wollte das nur berichten. Vielleicht ist es hilfreich?
Liebe Grüße
Ginei
Hallo liebe Angehörige,
es tut gut zu lesen wie identisch die Verläufe sind. Ich kann alle Empfindungen von euch verstehen. Mein ist jetzt im sechsten Jahr nach der Diagnose und es verschlechtert sich zusehends. Mann verliert seinen Partner und kann nichts dagegen tun. Manchmal weiß ich nicht wie ich mit meiner Wut und Trauer umgehen soll. Kein Austausch ist mehr möglich. Ich habe das Gefühl er empfindet nur noch Misstrauen gegen alles und jeden. Treffen mit Freunden sind oft nicht mehr möglich, weil er einfach aufsteht und gehen will. Seit geraumer Zeit wird sein Ton mir gegenüber aggressiv. Man fühlt sich so schlecht behandelt, obwohl man weiß dass er das nicht absichtlich tut. Das miteinander Leben ist so schwer geworden. Wenn ich was für mich tue hab ich immer ein schlechtes Gewissen und er straft mich dann mit ignorieren ab.
Es hat mir gut getan zu lesen, dass vielen genauso geht.
Liebe Grüße
Hallo, liebe Mitbetroffene,
wie gut ich das alles nachfühlen kann. Mein Mann hat Pflegestufe 3, aber keine Krankheitseinsicht mehr, bei ihm ist das Sprachzentrum massiv betroffen. Trotzdem funktionieren nette Erwiderungen und Grußformeln bei Fremden immer noch. Mir hat sehr geholfen, als ich gelernt habe, dass diese "sozialen Reflexe" oft noch lange erhalten bleiben, aber nicht wirklich etwas mit Kommunikation zu tun haben. Das wird im Gehirn in unterschiedlichen Segmenten abgespeichert. Ich habe es lange sehr verletzend gefunden, dass er auf Fremde in kurzen Sequenzen freundlich und scheinbar wertschätzend reagierte und für mich oft nur "böse Brocken" übrig waren. Jetzt kann ich damit leben, es ist eben -wie vieles andere auch- krankheitsbedingt.
Alles Liebe Euch Tapferen da draußen. Wir sind viele ...
Hallo Constanze,
diese 'bösen Brocken' kenne ich nur allzu gut. Und mir fällt es immer noch schwer, sie als Krankheitsbild zu akzeptieren und sein mürrisches Gesicht von morgens bis abends zu ignorieren. Dabei würde ein Lächeln alles viel leichter machen.
Ich werde ab und zu von Bekannten und sogar von Fremden (er steht manchmal einfach nur an der Gartenpforte) angesprochen, was für ein freundlicher Mann er doch sei.
Ich habe auch schon in einem vorigen Beitrag darüber geschrieben, daß mein Sohn vermutet, er gäbe mir unbewusst die 'Schuld' an seinem Zustand.
Ich hoffe, auch mir gelingt es irgendwann, diese 'sozialen Reflexe' als solche zu akzeptieren.
Schöne Grüße
Ginei
Liebe Mitbeteoffene!
Hat einer von euch schon mal seinen Mann in die Kurzzeitpflege gegeben und ist in den Urlaub gefahren? Ich würde so gerne mal eine Woche wegfahren. Aber ich habe Angst, dass sich sein Zustand dann noch mehr verschlechtert. Wenn ich demnächst 3 Tage mit meiner Freundin wegfahren kommen meine Kinder zur Betreuung. Aber das ist ihnen eigentlich auch nicht mehr zuzumuten, da er bei allem Hilfe braucht. Auch beim Toilettengang und der Körperpflege. Es ist in den letzten Wochen rapide schlechter geworden. Besonders Hören und Sehen. Er nimmt nicht mehr wahr aus welcher Richtung Geräusche kommen und wenn ich ihn ansprechend muss ich die Sätze oft 4x wiederholen weil er gar nicht mitbekommen hat,dass ich mit ihm rede. Auch die visuelle Wahrnehmung wird immer schlechter. Er hat Probleme das Brötchen vom Teller zu nehmen oder nach der Kaffeetasse zu greifen .Liebe Grüße sendet Sabine
Hallo Ginei,
manchmal kann ich dieses mürrische Gesicht nicht ertragen. Was in diesem Kopf vor sich geht, kann man ja leider nicht nachvollziehen. Er lehnt seit ein paar Tagen jegliche Hilfe ab, da fällt es sehr schwer die Geduld zu bewahren. Die Tagespflege klappt auch nicht.
Ich weiß nicht wie lange ich das noch aushalten kann. Meine Schwiegermutter ist den gleichen Weg gegangen und ich kann viele Parallelen ziehen. Nur ist es ein Unterschied, deinen Mann so hilflos zu sehen.
Manche Dinge sind alternativlos. Also machen wir weiter.
Kämpfen wir mit den „sozialen Reflexen“
Liebe Grüsse
Marianne
Hallo Marianne!
Hier ist es meist kein mürrisches Gesicht, sondern ein leidenes Gesicht mit viel Stöhnen. Auch schwer zu ertragen, zumal er ja nicht richtig artikulieren kann was ihm fehlt. Interessant ist euer Kommentar mit den sozialen Reflexen....In der Tagespflege werden die Betreuer auch immer freundlich und lachend begrüßt.
LG sendet Sabine
Hallo Sabine,
bezüglich der Kurzzeitpflege stehe ich vor dem gleichem Problem wie du. Ich habe Angst ihn in einem noch schlechterem Zustand zurückzubekommen. Meinen Töchtern kann ich die Betreuung auch nicht zumuten, da die Körperpflege nicht mehr funktioniert. Manchmal nimmt er die Kaffeetasse und schüttet sie einfach auf den Boden, da er es nicht mehr schafft diese zum Mund zu führen. Ich trage mich aber trotzdem mit dem Gedanken ihn mal für ein paar Tage in die Kurzzeitpflege zu geben. Irgendwie müssen wir ja alle mal Kraft sammeln.
Gruß Marianne
Ihr Lieben,
wie vieles sich ähnelt! In der Tat habe ich manchmal den Eindruck, dass mein Mann meint, er habe einen selbstverständlichen, verbrieften, ungeteilten Anspruch auf meine Zugewandtheit und Pflege, und zwar 24/7. Tagespflege oder ehrenamtliche Helfer kommen für ihn nicht in Frage. Dagegen wehrt er sich mit Händen und Füßen. Er hält sich lieber an mich und wird sehr zornig, wenn ich ihn nicht angemessen "bespaße" oder wie früher weite Reisen mit ihm unternehme (was mittlerweile aufgrund seiner Hilflosigkeit völlig ausgeschlossen ist). Ich weiß natürlich, dass dieses mangelnde Einfühlungsvermögen krankheitsbedingt ist, aber mein eigenes Leben so hintan zu stellen, ist schon eine Herausforderung. Die Ehrlichkeit hier im Forum tut so gut. Manchmal fühle ich mich wie eine Hexe, wenn mir alles über den Kopf wächst und ich ungeduldig oder ungerecht reagiere. Es tut gut, es sich einmal von der Seele zu schreiben...
Mein Mann war bereits mehrfach in der Kurzzeitpflege. Ich habe es einfach gemacht, ohne darüber nachzudenken, ob es nachher schlimmer wird. Warum sollte sich der Zustand dort verschlechtern? Ich habe der Kurzzeitpflege seinen Zustand geschildert. Die haben ja gesagt und damit war für mich alles in Ordnung. Die Verschlechterung kommt sowieso (da bin ich pragmatisch, ich muss leben können)Jetzt geht mein Mann wieder zur Kurzzeitpflege. Ich brauche Zeit für mich.
Wir haben haben auch das Angebot zum "Urlaub für Demenzkranke und Angehörige" genutzt. Dort trifft man auf Menschen, denen es genauso geht.
Ihr Lieben Mitbetroffenen, hab soeben dieses Forum gefunden, dank euch allen für die Einblicke. Mein Mann hat seit über einem Jahr die Diagnose Demenz und seit einem die Pflegestufe 3. Ich merke daß ich grad am Limit bin und überlege meinen Guten wenigstens für 2-3 Tage in der Woche zur Tagespflege zu geben, befürchte aber, daß er das ablehnen wird. Ich brauch mal Zeit zum Aufarbeiten der entstandenen Schäden und auch mal nur zum ausruhen. Er ist noch ganz gut drauf, hat aber Tage des Größenwahns und läßt sich nicht von seinen Vorhaben abbringen, macht Dinge auf die man einfach nicht kommt, z.B. Benzien in den Öltank des Traktors füllen .....
Freu mich auf Tipps
Hallo Diri! Mein Mann war vor gut 2 Jahren schon mal in der Tagespflege. Dort hat es ihm gar nicht gefallen weil da nur 'alte ,scheintote Leute 'waren .Nach zwei Monaten musste ich ihn wieder abmelden. Zwei Jahre später habe ich ihm gesagt, dass er wieder in die Tagespflege soll ( dieses Mal eine andere). Ich habe ihm gesagt, dass es dieses Mal für MICH ist. Er antwortete: ' Wenn du meinst, dann machen wir das so...Ich war so erleichtert.'.Er geht zwar nicht begeistert hin,aber wenn wir ankommen begrüßt er die Betreuer ganz freudig. Am Anfang habe ich ihm abends immer gesagt, dass morgen wieder Tagespflege ist. Dann war er den ganzen Abend mürrisch. Jetzt sagte ich es ihm erst morgens beim Aufstehen. Dann ist nicht der ganze Abend versaut, er vergisst es sowieso wieder und ich kann wenigstens schlafen. Bis jetzt geht er 3x wöchentlich. Ich möchte es aber auf 4x erhöhen. Werde ihm aber nichts davon sagen, weil er sowieso kein Zeitgefühl mehr hat. Die Tagespflege ist auf jeden Fall eine große Entlastung für mich.
Ich finde, du bist sehr einfühlsam mit der Situation umgegangen. Manchmal können schon kleine Veränderungen im Umgang miteinander viel Anspannung vermeiden. Bei einem Angehörigen war es ähnlich – Termine erst am selben Morgen anzusprechen hat den Alltag für alle deutlich entspannter gemacht, weil die vorherige Unruhe einfach weggefallen ist.
Hallo Diri,
ich habe es genau so praktiziert, wie Sabine es beschrieben hat - mit einer Ausnahme. Ich habe nicht zu meinem Mann gesagt, er solle das für mich tun. Das hätte ihn nicht motiviert - leider. Ich habe mir diverse Argumente ausgedacht, denen er nichts entgegenzusetzen hatte. z.B. 'Du bist zum Frühstück eingeladen', oder 'Es ist die gleiche Ergo-Therapie, an der Du so gerne teilgenommen hast' (2 Jahre ). Manchmal habe ich auch nur gesagt, daß das Auto draußen auf ihn wartet. Er wird abgeholt und auch gebracht, eine große Erleichterung für mich.
Irgendwann hat es geklappt. Jetzt ist es sogar so, daß mein Mann an den 'freien' Tagen fragt, warum er nicht abgeholt wird....
Sicherlich sind die funktionierenden Argumente individuell unterschiedlich, aber es ist es wert, sie herausfinden.
Viele Grüße
Ginei
Ein Hallo in die Runde,
mich beschäftigt gerade die Frage, ab welchem Zeitpunkt der Besuch einer Tagespflege geplant werden sollte, schon anfänglich der Erkrankung zur regelmäßigen Eingewöhnung oder erst im Laufe der Zeit zur Entlastung der pflegenden Angehörigen? Bei uns im ländlichen Raum gibt es Wartelisten.
Gestern konnte ich per Zufall einen kleinen Einblick in den Alltag einer Tagespflege nehmen. Viele, wirklich sehr hochbetagte Menschen mit diversen Herausforderungen besuchen diese. Es fällt mir noch schwer, meinen Mann dort zu sehen, weil er altersmäßig und auch kognitiv zum momentanen Zeitpunkt so gar nicht reinpassen würde.
Welche Kriterien für eine "gute" Tagespflege gab/gibt es für euch? Habt ihr euch mehrere Einrichtungen im Vorfeld angeschaut, eure Lieben schon frühzeitig auf eine Warteliste setzen lassen?
Ich möchte meinen Mann nicht einfach nur versorgt wissen, sondern das gelebte Konzept/Personalschlüssel einer Tagespflege ist für die Wahl auch sehr maßgebend. Die Motivation für einen Besuch wird auf jeden Fall eine Herausforderung für mich werden. Lese hier schon einige wertvolle Tipps zur Vorbereitung und Umsetzung. Vielen Dank dafür!
Also für MICH wird mein Mann es leider auch nicht tun, weil er sich nur unter meiner "Betreuung "sicher fühlt, so wie er es ausdrückt. Ich kann seine Gefühle/Ängste verstehen und sehr gut nachvollziehen, trotzdem brauche ich Zukunftsperspektiven zur Entlastung für mich.
Über eure Erfahrungen würde ich mich sehr freuen, vielen Dank für das Lesen!
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!