Umgang mit dementen Ehemann

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Kommentare

  • Hallo rosarot,

    spontan würde ich sagen, daß eine zu frühe Anmeldung in einer Tagespflege zur Folge haben könnte, daß die Eingewöhnung fehlschlägt und sich die Abneigung bei Deinem Mann manifestiert, so daß Du auch später dann Probleme haben könntest, ihn erneut dort unterzubringen. Es sei denn, er hat die Negativerfahrung bis dahin vergessen.

    Ich hatte das Glück, sofort - über die Pflegeberatung - einen Platz zu bekommen und vorab einen kostenlosen Probetag erhalten, an dem mein Sohn und ich für ca. 2 Stunden mit ihm dort waren, und wir uns über die Betreuung usw. ausgiebig informieren konnten.

    Die anfänglichen Schwierigkeiten habe ich ja hier ausführlich geschildert. Aber nun 'läuft es'.

    Wenn es für Dich um eine 'Auszeit' geht, wäre doch eine Kurzzeitpflege die ideale Lösung.

    Viele Grüße

    Ginei

  • Vielen lieben Dank für das Mitteilen eurer Erfahrungen. Es hilft mir immer sehr!

    Genau diese Befürchtung habe ich auch, dass sich die Abneigung bei zu früher Anmeldung in der Tagespflege bei meinem Mann manifestiert und ich ihn wieder rausnehmen muss. Noch vergisst er solche, für ihn unangenehmen Situationen nicht.

    Die Kurzzeitpflege hatte ich auch schon in Erwägung gezogen, fahre Ende Juli für einige Tage mit einer Freundin zur Erholung in Urlaub. Aber mein Mann wehrte sich dorthin zu gehen, als ich ihn anmelden wollte. Er hat ein außerordentlich großes Autonomiegefühl und fühlt sich ständig gegängelt oder bevormundet, will selbstbestimmen, was hier im Alltag oft zu Spannungen führt, denn vieles kann er in seiner Erkrankung gar nicht mehr überblicken oder verstehen. Er zeigt dann herausforderndes Verhalten. Einfach anmelden und ausprobieren geht momentan deshalb leider bei ihm noch nicht.

    Letztendlich betreut unsere Tochter ihren Vater für die Zeit, was ich aber zukünftig auf jeden Fall vermeiden möchte, denn die Kinder haben ein Recht auf ihr eigenes Leben.

    Den Tipp mit der Pflegeberatung werde ich auf jeden Fall aufgreifen. Vielleicht lässt sich mein Mann von einer außenstehenden Person eher überzeugen, um einen Probetag auszuprobieren.

    @ Gerhild

    Schön zu lesen, dass die Zeit in der Kurzzeitpflege erfolgreich war, obwohl die tägliche Zahnpflege meiner Ansicht nach nicht vernachlässigt werden darf. Da lässt dann wohl der Zeit/Personalmangel in der Pflege wieder durchblicken.

    Ich wünsche euch einen schönen sonnigen Sonntag, viele Grüße!

  • Vorab: Ich würde auch niemals voraussetzen, daß meine Kinder die Betreuung meines Mannes während meiner Abwesenheit übernehmen. Bin aber in der glücklichen Lage, daß sich beide Söhne sofort dazu bereit erklärt haben, als ich letztes Jahr 1x 2 Wochen und 1 x 4 Wochen im Krankenhaus lag. Einer tagsüber (dank Home-Office) und der andere nachts . Zu der Zeit war mein Mann noch nicht in der Tagespflege.

    Die Begründung der beiden war kurz und knapp:'Du warst und bist immer für uns da, also keine Diskussion'. Das hat mich stark berührt.

    Was ich damit sagen will: Haben sie nicht recht?

    Gruß Ginei

  • so etwas tut gut, genieß es

  • Hallo Ginei,

    du kannst sehr stolz auf deine Söhne sein. Solche warmherzigen verständnisvollen Worte berühren das Mutterherz, wenn Kinder die Notsituation erkennen und danach handeln, unterstützend und wertschätzend tätig werden.

    Ich habe auch das große Glück, dass meine Kinder für mich in der Betreuung ihres Vaters einspringen, wenn "Not am Mann"ist. Meine Tochter benutzte ähnliche Worte, wie die deiner Söhne. Deshalb kann ich bald beruhigt eine kleine Auszeit nehmen, die ich dringend benötige. Dafür bin ich sehr dankbar, denn die Familie meiner Tochter muss gerade zusätzlich leider durch schwere Zeiten in der Erkrankung eines Kindes, meines Enkelkindes gehen. Umso mehr weiß ich ihre Unterstützung besonders zu wertschätzen.

    Zukünftig erhoffe ich mir mehr Mitarbeit, "Wohlwollen" meines Mannes, wenn ich die Tagespflege oder die Kurzzeitpflege für ihn gerne in Anspruch nehmen möchte, um neue Kraft zu schöpfen. Seine Erwartungshaltung ist, von unseren Kindern umsorgt zu werden, falls ich in der Betreuung ausfallen sollte.

    Ich kann seine Ängste und Unsicherheiten bei Veränderungen aus der gewohnten häuslichen Umgebung sehr gut verstehen, die eine Tagespflege oder eine Kurzzeitpflege unweigerlich mit sich bringen würde. Ich bin seine Frau und biete ihm in seiner Erkrankung die Sicherheit, die er braucht.

    Trotzdem muss ich auch an mich und meine Gesundheit denken, denn ein langer kräftezehrender Weg steht uns noch bevor. Ich hoffe sehr, dass er sich "gewöhnen" kann und in der Notbetreuung bleiben ihm ja selbstverständlich immer unsere Kinder erhalten.

    Ich denke, das Thema Tages oder Kurzzeitpflege ist bei vielen Erkrankten und ihren Angehörigen stressbehaftet, das lese ich im Forum. Das herausfordernde Verhalten meines Mannes belastet mich dann sehr. Wenn er nicht einverstanden ist, wird er leider aggressiv und verbal verletzend. Diese Gefühlsausbrüche haben mit der Erkrankung extrem zugenommen und lassen mich oft hilflos dastehen. Ich weiß damit noch nicht umzugehen.

    Beim nächsten Pflegeberatungsgespräch , ein guter Tipp, werde ich das Thema Kurzzeit und Tagespflege ansprechen.

    Ich habe wieder einmal viel geschrieben, sorry!

    Viele Grüße und alles Gute, rosarot

  • Bei uns ist die Pflegeberatung vom ambulanten Dienst. Die können da nur sagen, ja können Sie machen und sagen, hören sie sich nach freien Pätzen um. Ich habe einfach rumtelefoniert und mir Empfehlungen von anderen Betroffenen geholt. Ein Tipp kam von einer Arbeitskollegin, mit der ich sonst kaum was zu tun habe. Ich rede offen über die Erkrankung meines Mannes, dann kommt manchmal aus irgendeiner Ecke Hilfe, wo ich es gar nicht gedacht habe.

    Seit einigen Wochen bekommt mein Mann bei Bedarf Psychopharmaka. Das hilft etwas, damit er runter fährt. Aber die Aggression kenne ich auch. Wie oft bin ich einfach in mein Zimmer gegangen und hab ihn stehen lassen.

  • Vielen Dank für weitere nützliche Hilfestellung. Mir hilft der Austausch hier im Forum sehr, dafür bin ich sehr dankbar!

    Ich schaue mich gerade noch zusätzlich nach einer Selbsthilfegruppe/ Pflegekreis für Angehörige um, weil ich merke, dass ich auch im realen Leben Menschen brauche, die wissen, wovon ich spreche, mit denen ich mich wie hier im Forum austauschen kann.

    Eine Liste von Tagespflege und Kurzzeitpflege einrichtungen vor Ort, habe ich mir schon erstellt. Sollte der ambulante Pflegedienst, den ich bereits installiert habe, beim Pflegeberatungsgespräch nicht weiterhelfen können, werde ich sämtliche Einrichtungen abtelefonieren, um mich zu informieren.

    Wir haben demnächst einen erneuten Termin in der angebundenen Fachklinik. Dort werde ich das Aggressionsthema ansprechen, erhoffe mir Hilfe. Sicherlich weiß ich auch um die innere Not, starke Depression und tiefe Verzweiflung meines Mannes, sein Hadern mit der Diagnose Alzheimer. Bei allem Verständnis und Mitgefühl, diese Gefühlsausbrüche sind an manchen Tagen und das sind nicht wenige, kaum auszuhalten und belasten unseren Alltag leider enorm.

    Auch ich verlasse dann die herausfordernden Situationen, in dem ich mich zurückziehe, um mich selbst zu schützen, sehe dann keine andere Möglichkeit. Beruhigen, besänftigen, Trost und Zuversicht geben, kommen dann bei meinem Mann nicht mehr an. Er steigert sich förmlich hinein und mittlerweile vermute ich die Ursache auch in seiner Erkrankung, hirnorganisch, eine weitere Wesensveränderung. Seine Gefühlsausbrüche fallen ebenfalls im Umfeld auf und ich wurde schon darauf angesprochen, ob ein Medikament vielleicht nicht hilfreich wäre.

    Ich bin oft verzweifelt und meine überaus große Positivität, wir schaffen das in unserer langjährigen Liebe zusammen, diesen schweren Weg gemeinsam zu gehen, "in guten und in schlechten Tagen", bricht dann ein.

  • Danke für das Lesen und allen weiterhin viel Kraft!

  • Wir haben bei der Silberhochzeit unser Eheversprechen erneuert. Wir haben uns versprochen, solange JA zu UNS zu sagen, solange wir miteinander reden, Freude und Leid teilen, umeinander werben, Dinge finden die uns verbinden.

    Die Demenz verändert das Konstrukt Ehe. Ich glaube, dass mein Mann nie gewollt hätte, dass ich mich für ihn aufgebe. Ich werde für ihn sorgen, ob zu Hause oder im Heim.

    Aber gute und schlechte Tage gilt auf gleicher Ebene und die ist nicht mehr da. Und ich glaube, hier geht es vielen pflegenden (Ehe)Partnern so.

    Wir können nur für andere sorgen, wenn es uns selbst gut geht.

  • @ Gerhild

    Ohne Worte.....danke!

    "Wir können nur für andere Sorgen, wenn es uns selbst gut geht. "

    Deshalb nehme ich mir auch demnächst eine kleine Auszeit, Distanz um zur Ruhe zu kommen, ein Stück Selbstfürsorge!

  • Ich hoffe, die lange Zeit der 'Funkstille' bedeutet, daß es allen einigermaßen gutgeht - soweit möglich.

    Unsere Situation hat sich inzwischen drastisch verändert. Die Tage, an denen mein Mann grundsätzlich all meine Entscheidungen und 'Anweisungen' - ich beschränke sie schon auf die wirklich erforderlichen -, vehement ignoriert und auch lautstark seinen Unwillen äußert, nehmen leider immer mehr zu.

    An solchen Tagen fällt es mir wirklich schwer, gelassen zu bleiben und die Gewissheit, daß es ein weiterer Verlust seiner Identität ist, hilft mir dann leider auch nicht wirklich.

    Gruß Ginei

  • Hallo Ginei,


    es ist wirklich manchmal schwer zu ertragen. Mein Umfeld (Kinder/Freunde) sagen mir ständig ich soll mich um eine Heimlösung kümmern. Es fällt mir sehr schwer mich mit diesem Gedanken zu befassen. Wenn es Tage gibt an denen es nicht so schlimm ist, denke ich immer geht doch noch. Doch dann hast du Tage an denen dir die Luft abgeschnürt wird.

    Ich kann dich gut verstehen, manchmal bin ich so zornig auf ihn. Ich weiß ja das es die Krankheit ist, nützt aber manchmal nichts.

    Wie geht man damit um??? Es ist immer ein Hin und Her der Emotionen.

    Ich habe jetzt eine Betreuungskraft, die an einem Nachmittag in der Woche kommt.

    Ich hoffe sehr, dass es funktioniert und ich Dinge in Ruhe erledigen kann.

    Kopf hoch

    Gruß Marianne

  • Hallo Marianne,

    Was die Krankheit so schlimm macht, sind die schwindenden Gefühle - zumindest bei mir -. Ich schäme mich fast dafür, aber es kommt tatsächlich manchmal vor, dass ich meinen Mann aus lauter Wut verbal 'verletze', was allerdings keine Reaktion auslöst. Insofern ist es 'in den Wind'...

    Vlt. liegt es auch daran, dass ich schon länger gesundheitlich ziemlich angeschlagen bin. Mein Sohn rät mir zu einer Kur. Aber das wäre wieder eine 4-wöchige Belastung für beide Söhne...

    Zu Deiner Situation: Wie sieht es denn inzwischen mit einer Tagespflege aus? Ich hatte anfangs ja auch ziemliche Probleme. Bis ich gesagt habe, es sei eine vom Arzt verschriebene Therapie, die er unbedingt wahrnehmen muss, damit die Krankheit nicht noch schlimmer wird. Danach lief es immer reibungsloser - bis auf eine Ausnahmen.

    Gruß Ginei

  • ....einige Ausnahmen.

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